Zum Auftakt der Berichterstattung zum Metropolitan Masters – The Grinder hat unser Redakteur Dennis Jenz ein Interview mit dem Head Judge Moritz Greiwe geführt, der dieses Turnier am Wochenende auf der SPIEL’11 leiten wird.

Stell dich doch mal vor!
Mein Name ist Moritz „Chironomus“ Greiwe, ich bin derzeit 24 Jahre alt und studiere Englisch und katholische Theologie an der Uni Osnabrück. Mein Ziel ist es, Grundschullehrer zu werden. Nebenbei verdiene ich mir ein Zubrot, indem ich als Kellner und Barkeeper arbeite.
Wo kann man dich denn in Aktion erleben?
Da es in meiner Heimatstadt Emsdetten keinen Kartenladen gibt, fahre ich zum Zocken in den Comic-Planet der Nachbarstadt Rheine oder in die Filiale nach Münster. Dort judge ich auch regelmäßig und helfe bei der Turnierorganisation.
Wann und wie hast du mit dem Judgen angefangen?
Ich bin noch gar nicht so lange dabei. Mein erstes „richtiges“ Event waren die Yu-Gi-Oh! German Nationals 2010. Seitdem habe ich aber eine kurze und steile „Karriere“ hingelegt und viel gelernt und auch weitergegeben.
Hattest du Vorbilder?
Prinzipiell sehe ich jeden Judge als Vorbild, dessen Fähigkeiten den meinen überlegen sind. Ich habe aber zwei besondere Vorbilder: Auf der einen Seite gibt es da Maik „yomifrog“ Schewe, der mir die Feinheiten der Spielmechaniken und somit die Theorie des Judgens beigebracht hat. Auf der anderen Seite ist da mein „Judge-Papa“ Daniel „Videoday“ Müller, von dem ich die Praxis gelernt habe. Beiden bin ich ewig zu Dank verpflichtet.
Jetzt haben von den „alten Hasen“ ja ein paar aufgehört und die „Junge Garde“ – zu der du ja gehörst – muss nachrücken. Wie bewertest du die Situation?
Das Problem ist, dass die hohen Positionen auf Events neu besetzt werden müssen und andere Judges nachrücken müssen. Ein Event in der Größe von 100 Spielern zu leiten, bekomme ich ja noch hin, aber ich möchte noch mehr Erfahrung sammeln, bevor ich auf einem Event in der Größe der Nationals den Posten des Head Judges einzunehmen bereit bin. Ich werde aber weiter üben, um ggf. auf den nächsten Nationals einen höheren Posten zu besetzen. Mir wäre dennoch wichtig, dass die fähigsten Leute die hohen Posten besetzen, wenn sie dafür besser geeignet sind als ich.
Was waren die bisherigen Höhepunkte deiner Karriere?
Ich erachte jeden noch so kleinen Posten, den ich auf einem Event besetze, als kleinen Höhepunkt. Da ich sehr bescheiden bin, bin ich schon glücklich, wenn ich einfach auf dem Floor stehen und Regelfragen beantworten darf. Ich brauche also keinen hohen Posten zu bekleiden, um ein Event als persönliches Highlight zu bezeichnen.
Was reizt dich an deinem Job?
Als Judge macht man quasi sein Hobby zum “Beruf”. Ich mag das Spiel mit allen Feinheiten und Schwierigkeiten. Diese Begeisterung möchte ich gerne an andere Spieler weitergeben, indem ich den Spielern auf einem Event durch das Garantieren eines reibungslosen Ablaufes ein schönes Spiel gewährleiste. Außerdem konnte ich mir mit meinen mittelmäßigen Spielerfähigkeiten nie den Namen machen, den ich mir als Judge gemacht habe. Daher bereue ich es kein bisschen, den Schritt vom Spieler zum Judge gemacht zu haben.
Was ist beim Judgen besonders schwierig?
Die Arbeit eines Judges beläuft sich nicht nur auf das Auswendiglernen von Rulings. Ein großer Teilbereich ist das Player Management, bei dem es darum geht, Streitigkeiten unter Spielern beizulegen und eine konstruktive Lösung und/oder Spielstrafen zu finden. Dies ist oft schwierig, da am Ende eines Streits immer zu Ungunsten eines der beiden Spieler entschieden werden muss und der Judge am Ende immer der “Böse” ist. Dass es für diesen Teilbereich des Jobs auch keinen konkreten Leitfaden gibt, macht die Sache nicht gerade einfacher. Man muss hier immer nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, was oft komplizierter werden kann, als es klingt.
Bereitest du dich speziell auf ein Turnier vor?
Natürlich. Ich halte mich immer auf dem Laufenden was Rulings etc. betrifft. Wichtiger als die Vorbereitung auf ein Event erachte ich aber die Nachbearbeitung eines Events. Nach einem Event sollte ein Judge das Turnier rekapitulieren und schauen, was gut und was weniger gut lief. Er sollte sich seine Aussagen und Entscheidungen noch einmal durch den Kopf gehen lassen und Kritik an sich selber üben. Des weiteren sollte man sich nachher in Karten und Spielmechaniken einlesen, bei denen man auf einem Event Schwierigkeiten hatte. Man lernt somit aus seinen eigenen Fehlern und ist somit gewappnet für kommende Turniere. Die Nachbereitung eines vergangenen Events trägt somit für die Vorbereitung eines kommenden Events bei.
Was machst du, wenn du mal nicht weiter weißt?
Auch bestes Wissen und Gewissen kommt irgendwann mal an eine Grenze und man weiß nicht weiter. Das passiert auch den Besten. Ein Gütekriterium eines Judges ist es, seine eigenen Grenzen zu kennen und sich eingestehen zu können, wenn man mal nicht weiter weiß. Es ist keine Schande, in so einem Fall andere Judges nach einer zweiten Meinung zu fragen, im Gegenteil: Es ist höchst unprofessionell, sich eine Antwort auf eine Regelfrage oder eines Streits zusammen zu stammeln, wenn man sich nicht sicher ist. Geratene Antworten helfen den Spielern nicht und können das Turnier schädigen. Daher ist es mir wichtig, kompetente Kollegen zu haben, mit denen ich ggf. Rücksprache halten kann.
Was war die schwierigste Entscheidung, die du jemals treffen musstest?
Daran erinnere ich mich leider noch gut. Es war auf dem Austrian Championship Weekend 2011. Ich musste eine Player Management Entscheidung zu Ungunsten eines Kindes treffen, welches darauf bitterlich aufgelöst war. Nachdem ich nach dem Match mit dem Vater des Kindes Rücksprache gehalten habe, war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob meine Entscheidung die korrekte war und ich war die folgenden Stunden von Selbstzweifeln geplagt. Dieser Moment hat mich aber auch insofern geprägt, dass ich seit dem bei Player Management Entscheidungen 3x nachdenke, bevor ich etwas sage. So habe ich aus einem vermeintlichen Fehler gelernt.
Kannst du Anfängern und jungen Talenten ein paar Tipps mit auf den Weg geben?
Wenn ich von Interessierten gefragt werde, wie man Judge wird, empfehle ich immer einen Dreischritt, bevor man sich an die großen Turniere herantraut:
- Rulings und Spielmechaniken lernen
- Ein kleines Ladenturnier judgen, zum Beispiel ein Event der Metropolitan Masters Serie
- Wenn man sich dann bereit fühlt, kann man sich bei AMIGO Organized Play für das Volunteer Programm bewerben
Wichtig ist, dass man sich irgendwann traut. Mit einem Lehrer an der Seite ist dieser Schritt einfacher, da man eine externe Bewertung erhalten kann. Viele junge Talente unterschätzen aber ihre Fähigkeiten und brauchen nicht so lange zögern, wie sie denken. Im kalten Wasser schwimmt man am besten.