Interviews

Marcos Marin-Galiano – Volunteer Coordinator Pokémon

Das Interview führte Tobias Thesing

Marcos Marin-Galiano

Erzähl ein wenig zu dir: Wer bist du, woher kommst du?

Ich heiße Marcos Marin-Galiano und komme aus Dortmund.

Welche Sammelkartenspiele kennst du gut genug, um sie jetzt auf Anhieb spielen zu können?

Da kommt vermutlich nur Magic: The Gathering in Frage, das ich eine Zeit lang nebenbei gespielt habe.

Bleibt da noch viel Zeit für anderes? Welche anderen Hobbies hast du neben den Sammelkartenspielen?

Neben einem Fulltimejob und einen Haupthobby, das relativ viel Zeit frisst, vor allem natürlich auch an den Wochenenden, bleibt da nicht mehr viel Zeit für andere anstrengende Dinge. Insofern ist alles andere eher etwas entspannender: eine gute Serie schauen, ein gutes Buch lesen und ab und zu mal, wenn die Zeit dafür da ist, eine Runde Poker. Letzteres aber eher so aus Spaß an der Freud und ohne wirkliche Ambitionen.

Können dich unsere Leser auch irgendwo live erleben?

Prinzipiell kann man mich praktisch jede Woche bei der Pokémon-Liga im Auenland in Dortmund erwischen und ansonsten bei vielen Turnieren im Rhein-Ruhr-Raum.

Du hast ja in den vergangenen Jahren schon einiges erreicht als Helfer und Schiedsrichter. Gibt es noch Dinge, die du in Hinsicht auf dieses Sammelkartenspiel erreichen möchtest?

Als Schiedsrichter habe ich nach meinem Engagement als einer der drei Oberschiedsrichter auf der WM eigentlich das Maximum erreicht, das realistisch erreichbar ist. Ich würde sehr gerne mal eine WM mitspielen – mit dem neuen Championship Points-System wird das aber als engagierter Schiedsrichter fast unmöglich.

Was sind die Aufgaben eines Volunteer Coordinators?

Als Coordinator arbeite ich mit den Mentoren und Helfern auf regionaler Ebene zusammen, was ich mit dem Projekt “POP Rhein-Ruhr” ja eh schon gemacht habe. Darüber hinaus gehört es zu meinen Aufgaben, Feedback zum Organized Play Programm zu geben, bestehende Mentoren und Helfer zu evaluieren und an der Planung der großen Championship Events mitzuwirken.

Bist du dann auch direkter Ansprechpartner für alle AMIGO-Helfer, wenn sie Fragen haben oder ihnen etwas auf der Seele liegt?

Zumindest fur die regionalen Helfer, aber auch alle anderen Helfer aus dem Bereich Pokémon dürfen mich gerne bei Problemen ansprechen.

Hast du besonderes Mitspracherecht bei den Planungen von Events und anderen Aktionen von AMIGO?

Ich würde hier weniger von Mitsprache, sondern eher von Beratung sprechen. Als Volunteer Coordinator soll ich mein Feedback geben – im Prinzip muss aber AMIGO selbst entscheiden, wie sie das Organized Play aufziehen wollen. Wobei es bei Pokemon ohnehin nicht viel Raum zur Gestaltung gibt, weil die Turnierserien von der TPCi ja schon ziemlich eindeutig festgelegt sind.

Gibt es bereits Themen, auf die du besonderen Fokus setzen möchtest und von denen du uns hier berichten kannst?

Ein besonderer Fokus meiner Tätigkeit wird die Schiedsrichterentwicklung in Deutschland sein.

Du warst ja schon mehrfach Head Judge. Ist diese Position mit der des Volunteer Coordinators vereinbar?

Ich werde auf den regionalen Turnieren im Rhein-Ruhr-Raum auch weiterhin als Headjudge arbeiten. Auf der deutschen Meisterschaft bin ich ja in den letzten beiden Jahren schon Leiter des Schiedsrichterteams gewesen. Als solcher schaue ich auf die schwerwiegenden Entscheidungen zwar immer noch drauf, aber die Headjudges sind andere.

Werden dich unsere Leser überhaupt noch auf großen Events erleben oder ist der Volunteer Coordinator nur im Hintergrund tätig?

Ja klar werde ich auf der DM wieder mit dabei sein und auch sichtbar und nicht nur hinter dem Bühnenvorhang oder in den Kellergewölben oder so…

Überschneiden sich deine Arbeiten auch mit denen von Daniel, dem anderen Volunteer Coordinator, oder sind das zwei getrennte Bereiche?

Grundsätzlich üben wir die gleiche Funktion aus, nur für zwei unterschiedliche Sammelkartenspiele. Ich bin für Pokemon zuständig und Daniel für das Yu-Gi-Oh TCG.

Erstreckt sich dein Aufgabengebiet auch auf andere von AMIGO betreute Sammelkartenspiele außer Pokémon?

Nein, meine Zeit reicht leider nur für ein Sammelkartenspiel.

Als Volunteer Coordinator musst du dich ja intensiv mit Änderungen in der Turnierplanung auseinander setzen, an denen es ja gerade diese Saison nicht mangelt. Welche der Neuerungen bei Pokémon haben dir besonders zugesagt, und was würdest du dir für die Zukunft noch wünschen?

Ich finde die Idee einer zweiten Regionals-Saison eigentlich ganz gut, allerdings würfelt sie die Planungen zeitlich etwas durcheinander. Man muss dann mal sehen, wie man das spielerfreundlich organisiert bekommt. Die Idee des neuen Championship-Points-Systems ist grundsätzlich ganz nett, weil sie das unter ELO verbreitete Nichtspielen zum Halten des Ratings ausmerzt, und dürfte eher für steigende Teilnehmerzahlen sorgen. Allerdings bin ich von der spezifischen Ausführung alles andere als begeistert, weil Regionen mit vielen und guten Spielern für die dort geleistete Arbeit eigentlich bestraft werden. Ansonsten stehen noch einige weitere Ankündigungen der TPCi an, z.B. was man mit den ebensfalls neu eingeführten Play! Points machen kann, so dass eine abschließende Bewertung sicher noch nicht möglich ist, aber die grundsätzliche Neuorientierung in Richtung “Spielen, spielen, spielen” ist an sich ganz gut.

Du hast in den letzten Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass deine Heimatregion Nordrhein-Westfalen nicht nur gut mit Turnieren versorgt ist, sondern dass diese auch meistens vorbildlich organisiert und gejudged werden. Kannst du anderen Veranstaltern und Spielergemeinschaften Tipps geben, wie sie das Turnierangebot in ihrer Region verbessern können?

Den Spielergemeinschaften kann man nur den Tipp geben: Redet mit euren Läden und zeigt Eigeninitiative! Viele Läden bieten nichts an, weil sie zum einen nicht wissen, dass ein Interesse da ist und zweitens nicht wissen, was sie zu tun haben. Bei beidem kann man ihnen helfen und dann klappt das auch. Den Veranstaltern kann man nur raten: Wenn ihr keinen Mediator habt, redet miteinander und vermeidet Terminkonflikte. Es hilft keinem, wenn man Turniere nah beieinander am gleichen Tag stattfinden lässt. Das splittet die Spielerschaft nur unnötig. Je besser das Spielangebot, desto größer und vor allem auch loyaler wird die Spielerschaft sein.

Möchtest du noch etwas sagen?

Ich möchte noch einen Rat an alle geben, die interessiert an Pokémon sind. Macht nicht die Deutsche Meisterschaft (oder die Österreichische Staatsmeisterschaft) zu eurem ersten Turnier, sondern besucht vorher mal die Einsteigerveranstaltungen wie Ligen oder Battle Road-Turniere. Dort kann man euch alles in einer entspannten Atmosphäre beibringen, was man dann für die großen Turniere braucht.

Vielen Dank für das Interview!


Daniel Müller, Volunteer Coordinator Yu-Gi-Oh! TCG

Das Interview führte Martina Eckloff

Daniel Müller

Erzähl ein wenig zu dir: Wer bist du, woher kommst du?

Ich bin der Daniel, bin mittlerweile 28 Jahre alt und komme aus der Stadt Gera in Thüringen. Seit der zweiten Boosterserie Metal Raiders bin ich beim Yu-Gi-Oh! TCG dabei.

Welche Sammelkartenspiele kennst du gut genug, um sie jetzt auf Anhieb spielen zu können?

Das beschränkt sich eigentlich auf Yu-Gi-Oh! TCG und das Pokémon Sammelkartenspiel. Letzteres habe ich auch erst dieses Jahr gelernt, aber das ist ja glücklicherweise auch nicht so schwer.

Welche anderen Hobbies hast du neben den Sammelkartenspielen?

Ich war vor meiner Selbständigkeit als Koch in der Gastronomie tätig. Da war es leider so, dass ich so gut wie nie an einem Samstag frei hatte, um zu einem Turnier fahren zu können. So habe ich nur Zeit gefunden, zu Hause mit Freunden zu spielen und mich im Internet der Community anzuschließen. Klar muss ich jetzt auch viel arbeiten, aber ich kann mir an den Wochenenden die Zeit nehmen, Turniere in vielen Regionen Deutschlands zu besuchen oder selber zu veranstalten.

Zeit mit Freunden zu verbringen ist etwas, was ich sehr gerne mache. Zusammen was unternehmen, zusammen zu lachen, feiern oder sich einen guten Film anzuschauen, ist sehr spaßig und dient einfach dazu, sich vom stressigen Alltag zu erholen.
Wenn dann auch mal wieder ein gutes Spiel für den PC oder die Wii erscheint, na dann gönn ich mir das auch.

Können dich unsere Leser auch irgendwo live erleben?

Aber sicher. Ich bin sehr oft in Berlin und Leipzig auf Turnieren unterwegs, welche ich zusammen mit anderen Helfern organisiere. Und sobald irgendwo in der Bundesrepublik ein Großevent ansteht, lass ich mir den Spaß nicht entgehen. Ich bin auch immer für ein nettes Gespräch offen, außer ich bin natürlich grad im Stress.

Du hast ja in den vergangenen Jahren schon einiges erreicht als Helfer und Schiedsrichter. Gibt es noch Dinge, die du in Hinsicht auf dieses Sammelkartenspiel erreichen möchtest?

Vielleicht den Hattrick als Oberschiedsrichter auf den Deutschen Meisterschaften.
Ansonsten will ich gern noch vielen jungen Schiedsrichtern mit Rat und Tat zu Verfügung stehen und diesen dabei helfen, ihren Weg zu gehen, damit dieses schöne Hobby auch weiterhin auf viele gute Schiedsrichter bauen kann.

Was sind die Aufgaben eines Volunteer Coordinators?

Ich bin erster Ansprechpartner für alle Mentoren beim Yu-Gi-Oh! TCG, da diese meist noch jung sind und somit auch die eine oder andere Frage haben werden. Aber auch jeder andere AMIGO-Helfer kann mit seinen Problemen und Wünschen an mich treten, denn es wird Themen geben, die man vielleicht nicht sofort mit den AMIGOs bereden möchte.

Außerdem sind wir bei der operativen Planung der großen Events wie der deutschen Yu-Gi-Oh! TCG Meisterschaft dabei.

Ich halte stets meine Augen und Ohren nach neuen Kandidaten für das Mentor- und Helferprogramm offen. Denn es gibt eben auch Menschen, die etwas zurückhaltend sind und vielleicht lieber erst abwarten, bevor sie sich bewerben, obwohl sie ja von den Programmen nur lernen und sich somit stärken können. Dann mache ich eben den ersten Schritt und komme auf sie zu.

Mein stärkstes Thema wird aber die Schiedsrichter-Entwicklung sein. Irgendwann werde auch ich mal zu alt sein oder meine Interessen ändern, und dann will man ja auch guten Gewissens gehen. Aber keine Angst, es wird schon noch etwas dauern, bis es soweit ist.

Hast du besonderes Mitspracherecht bei den Planungen von Events und anderen Aktionen von AMIGO?

Natürlich gibt es Entscheidungen, wo ich einfach nichts mit zu tun habe. Sobald ich zu etwas gefragt werde, gebe ich gerne meine Meinung dazu. Bei den Fragen „wann“ und „wo“ wird dies wohl eher nicht passieren. Aber bei allen anderen Sachen, wie beispielsweise Staff-Planung, Ablauf etc.. kann ja jede Erfahrung nicht schaden.

Das klingt, als ob man es sich nicht zu sehr mit dir verscherzen sollte. Womit kann man dich auf die Palme bringen?

Wenn es am Vorabend des Events nur Säfte aufs Haus gibt.
Nein, aber ich bin mir im Klaren, dass die AMIGOs die Chefs sind. Ich freue mich sehr darüber, dass sie so viel Wert auf meine Meinung legen, denn so kann ich meine Erfahrung gezielt mit Einbringen, was am Ende unserem Hobby nur zu Gute kommt. Wenn ich mal einen Vorschlag habe und der dann nicht angewandt wird, dann ist das für mich eben auch ok.

Gibt es bereits Themen, auf die du besonderen Fokus setzen möchtest und von denen du uns hier berichten kannst?

Die Förderung des Nachwuchses, also jungen Helfern und Mentoren, will ich so stark wie möglich ausbauen. Denn, wie uns der Fußball schon zeigt, sind diese die Zukunft, damit wir auch zukünftig qualitativ so hochwertige Turniere absolvieren können.

Du warst ja schon mehrfach Headjudge. Ist diese Position mit der des Volunteer Coordinators vereinbar?

Also durch meine vielen Einsätze als Headjudge habe ich mir erst die benötigten Erfahrungen für diesen Posten gesammelt. Je größer die Events werden, umso schwieriger wird es natürlich, den Posten des Oberschiedsrichters und Judge Leads zusammen zu erledigen. Auf einer deutschen Meisterschaft werde ich wohl nicht noch mal der Headjudge sein, aber ich habe natürlich auch schon einen würdigen Nachfolger. Aber wen, das verrate ich nicht.

Werden dich unsere Leser überhaupt noch auf großen Events erleben oder ist der Volunteer Coordinator nur im Hintergrund tätig?

Natürlich werde ich nach wie vor auf den großen Events dabei sein. Die sind ja mit das Schönste am gesamten „Schiedsrichter sein“. Die Schiedsrichter wollen ja auch eine Bewertung ihrer Tätigkeiten. Zum Beispiel möchten sie wissen, wie sie die eine oder andere Situation besser hätten auflösen können. Ich werde nach wie vor da sein, aber eben keine Regelfragen mehr beantworten. Für Allgemeines oder ein herzliches „Hallo“ steh ich immer noch gern zur Verfügung.

Überschneiden sich deine Arbeiten auch mit denen von Marcos, dem anderen Volunteer-Coordinator, oder sind das zwei getrennte Bereiche?

Er ist im Prinzip ich bei Pokémon. Ich kenne zwar den einen oder anderen Pokémon-Schiedsrichter, aber es gehört ja eben auch etwas mehr dazu, um diese Position im jeweiligen Spiel zu besetzen. Aber wir werden uns bei Meetings immer auch sehen, da sich unsere Positionen schon sehr ähneln und jeder seine Ideen bei der Programmgestaltung einbringen kann.

Du warst ja auch schon als Helfer bei Pokemon-Veranstaltungen, die sich ja doch von Yu-Gi-Oh! TCG-Veranstaltungen unterscheiden. Hast du dort Erfahrungen sammeln können, die dir nun helfen werden?

Eins ist Fakt, und zwar, dass man nie auslernen wird. Gerade, weil sich das Spiel und die Turniere etwas unterscheiden, sieht man da manches Neues, was man vielleicht auch bei den Yu-Gi-Oh! TCG Turnieren testen könnte. Und die Juniors sind ja auch einfach nur zum Knuddeln.

International warst du ja auch schon auf einigen Events. Hast du dort nun auch mehr Aufgaben?

Zum Glück nicht. Soll ja auch nicht mein Hauptberuf werden. Die internationalen Turniere werden von KONAMI veranstaltet, dass Volunteer-Programm ist aber ein AMIGO-Programm. Da ich einen Großteil der deutschen Schiedsrichter kenne und deren Leistungen beurteilen kann, steh ich gern mit Ratschlägen zur Seite, aber eine verbindliche Mehrarbeit meinerseits bringt mein neuer Posten international nicht mit sich.

Möchtest du noch etwas sagen?

Ich freue mich riesig, noch mehr Input in unser Hobby zu stecken, damit wir auch in ein paar Jahren noch auf einfach geile Megaevents fahren können und unvergessliche Wochenenden zusammen erleben.

Wer die Lust verspürt, auch in irgendeiner Weise dabei zu helfen, der soll sich einfach mal bei AMIGO bewerben. Wir sind alle nett und freuen sich über jedes junge Talent, das den Weg zu uns findet.

Und sprecht mich auf Turnieren gerne an.

Vielen Dank für das Interview!


Interview mit Moritz Greiwe, Head Judge The Grinder

Zum Auftakt der Berichterstattung zum Metropolitan Masters – The Grinder hat unser Redakteur Dennis Jenz ein Interview mit dem Head Judge Moritz Greiwe geführt, der dieses Turnier am Wochenende auf der SPIEL’11 leiten wird.

Moritz Greiwe

Stell dich doch mal vor!

Mein Name ist Moritz „Chironomus“ Greiwe, ich bin derzeit 24 Jahre alt und studiere Englisch und katholische Theologie an der Uni Osnabrück. Mein Ziel ist es, Grundschullehrer zu werden. Nebenbei verdiene ich mir ein Zubrot, indem ich als Kellner und Barkeeper arbeite.

Wo kann man dich denn in Aktion erleben?

Da es in meiner Heimatstadt Emsdetten keinen Kartenladen gibt, fahre ich zum Zocken in den Comic-Planet der Nachbarstadt Rheine oder in die Filiale nach Münster. Dort judge ich auch regelmäßig und helfe bei der Turnierorganisation.

Wann und wie hast du mit dem Judgen angefangen?

Ich bin noch gar nicht so lange dabei. Mein erstes „richtiges“ Event waren die Yu-Gi-Oh! German Nationals 2010. Seitdem habe ich aber eine kurze und steile „Karriere“ hingelegt und viel gelernt und auch weitergegeben.

Hattest du Vorbilder?

Prinzipiell sehe ich jeden Judge als Vorbild, dessen Fähigkeiten den meinen überlegen sind. Ich habe aber zwei besondere Vorbilder: Auf der einen Seite gibt es da Maik „yomifrog“ Schewe, der mir die Feinheiten der Spielmechaniken und somit die Theorie des Judgens beigebracht hat. Auf der anderen Seite ist da mein „Judge-Papa“ Daniel „Videoday“ Müller, von dem ich die Praxis gelernt habe. Beiden bin ich ewig zu Dank verpflichtet.

Jetzt haben von den „alten Hasen“ ja ein paar aufgehört und die „Junge Garde“ – zu der du ja gehörst – muss nachrücken. Wie bewertest du die Situation?

Das Problem ist, dass die hohen Positionen auf Events neu besetzt werden müssen und andere Judges nachrücken müssen. Ein Event in der Größe von 100 Spielern zu leiten, bekomme ich ja noch hin, aber ich möchte noch mehr Erfahrung sammeln, bevor ich auf einem Event in der Größe der Nationals den Posten des Head Judges einzunehmen bereit bin. Ich werde aber weiter üben, um ggf. auf den nächsten Nationals einen höheren Posten zu besetzen. Mir wäre dennoch wichtig, dass die fähigsten Leute die hohen Posten besetzen, wenn sie dafür besser geeignet sind als ich.

Was waren die bisherigen Höhepunkte deiner Karriere?

Ich erachte jeden noch so kleinen Posten, den ich auf einem Event besetze, als kleinen Höhepunkt. Da ich sehr bescheiden bin, bin ich schon glücklich, wenn ich einfach auf dem Floor stehen und Regelfragen beantworten darf. Ich brauche also keinen hohen Posten zu bekleiden, um ein Event als persönliches Highlight zu bezeichnen.

Was reizt dich an deinem Job?

Als Judge macht man quasi sein Hobby zum “Beruf”. Ich mag das Spiel mit allen Feinheiten und Schwierigkeiten. Diese Begeisterung möchte ich gerne an andere Spieler weitergeben, indem ich den Spielern auf einem Event durch das Garantieren eines reibungslosen Ablaufes ein schönes Spiel gewährleiste. Außerdem konnte ich mir mit meinen mittelmäßigen Spielerfähigkeiten nie den Namen machen, den ich mir als Judge gemacht habe. Daher bereue ich es kein bisschen, den Schritt vom Spieler zum Judge gemacht zu haben.

Was ist beim Judgen besonders schwierig?

Die Arbeit eines Judges beläuft sich nicht nur auf das Auswendiglernen von Rulings. Ein großer Teilbereich ist das Player Management, bei dem es darum geht, Streitigkeiten unter Spielern beizulegen und eine konstruktive Lösung und/oder Spielstrafen zu finden. Dies ist oft schwierig, da am Ende eines Streits immer zu Ungunsten eines der beiden Spieler entschieden werden muss und der Judge am Ende immer der “Böse” ist. Dass es für diesen Teilbereich des Jobs auch keinen konkreten Leitfaden gibt, macht die Sache nicht gerade einfacher. Man muss hier immer nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, was oft komplizierter werden kann, als es klingt.

Bereitest du dich speziell auf ein Turnier vor?

Natürlich. Ich halte mich immer auf dem Laufenden was Rulings etc. betrifft. Wichtiger als die Vorbereitung auf ein Event erachte ich aber die Nachbearbeitung eines Events. Nach einem Event sollte ein Judge das Turnier rekapitulieren und schauen, was gut und was weniger gut lief. Er sollte sich seine Aussagen und Entscheidungen noch einmal durch den Kopf gehen lassen und Kritik an sich selber üben. Des weiteren sollte man sich nachher in Karten und Spielmechaniken einlesen, bei denen man auf einem Event Schwierigkeiten hatte. Man lernt somit aus seinen eigenen Fehlern und ist somit gewappnet für kommende Turniere. Die Nachbereitung eines vergangenen Events trägt somit für die Vorbereitung eines kommenden Events bei.

Was machst du, wenn du mal nicht weiter weißt?

Auch bestes Wissen und Gewissen kommt irgendwann mal an eine Grenze und man weiß nicht weiter. Das passiert auch den Besten. Ein Gütekriterium eines Judges ist es, seine eigenen Grenzen zu kennen und sich eingestehen zu können, wenn man mal nicht weiter weiß. Es ist keine Schande, in so einem Fall andere Judges nach einer zweiten Meinung zu fragen, im Gegenteil: Es ist höchst unprofessionell, sich eine Antwort auf eine Regelfrage oder eines Streits zusammen zu stammeln, wenn man sich nicht sicher ist. Geratene Antworten helfen den Spielern nicht und können das Turnier schädigen. Daher ist es mir wichtig, kompetente Kollegen zu haben, mit denen ich ggf. Rücksprache halten kann.

Was war die schwierigste Entscheidung, die du jemals treffen musstest?

Daran erinnere ich mich leider noch gut. Es war auf dem Austrian Championship Weekend 2011. Ich musste eine Player Management Entscheidung zu Ungunsten eines Kindes treffen, welches darauf bitterlich aufgelöst war. Nachdem ich nach dem Match mit dem Vater des Kindes Rücksprache gehalten habe, war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob meine Entscheidung die korrekte war und ich war die folgenden Stunden von Selbstzweifeln geplagt. Dieser Moment hat mich aber auch insofern geprägt, dass ich seit dem bei Player Management Entscheidungen 3x nachdenke, bevor ich etwas sage. So habe ich aus einem vermeintlichen Fehler gelernt.

Kannst du Anfängern und jungen Talenten ein paar Tipps mit auf den Weg geben?

Wenn ich von Interessierten gefragt werde, wie man Judge wird, empfehle ich immer einen Dreischritt, bevor man sich an die großen Turniere herantraut:

- Rulings und Spielmechaniken lernen
- Ein kleines Ladenturnier judgen, zum Beispiel ein Event der Metropolitan Masters Serie
- Wenn man sich dann bereit fühlt, kann man sich bei AMIGO Organized Play für das Volunteer Programm bewerben

Wichtig ist, dass man sich irgendwann traut. Mit einem Lehrer an der Seite ist dieser Schritt einfacher, da man eine externe Bewertung erhalten kann. Viele junge Talente unterschätzen aber ihre Fähigkeiten und brauchen nicht so lange zögern, wie sie denken. Im kalten Wasser schwimmt man am besten.


Interview mit Daniel Müller, Head Judge

Zum Auftakt der Berichterstattung zur Deutschen Yu-Gi-Oh! TCG Meisterschaft 2011 hat unsere Redakteurin Martina Eckloff ein Interview mit dem Head Judge Daniel Müller geführt, der am Wochenende das Main Event leiten wird.

Daniel Müller

1) Wie bist du zum Sammelkartenspiel Yu-Gi-Oh! gekommen?

Ich war damals großer Fan der ersten Yu-Gi-Oh! Zeichentrickserie. Dann haben 2 Freunde von mir mit dem Kartenspiel angefangen und ich überredete meinen besten Kumpel, dass wir uns dieses Spiel auch zulegen sollten. Unser erstes Spiel dauerte fast eine Stunde, da wir keine Ahnung hatten, wie das Spiel funktionierte und somit neben dem Spielen die Anleitung unserer Starterdecks lesen mussten.

2) Wann war dein erster Einsatz bei einem Premier-Event, und welche Position hattest du damals?

Mein erster Premier Einsatz war das Summer Cup Finale 2008. Ich war damals bei den Side Events eingeteilt und lernte viele Leute kennen, die ich auch heute noch sehr gerne auf den Events wiedersehe.

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Interview mit Maik Schewe, Head Judge

Zum Auftakt der Berichterstattung zur Österreichischen Yu-Gi-Oh! TCG Staatsmeisterschaft 2011 hatte unser Redakteur Dennis Jenz ein Interview mit dem Head Judge Maik Schewe geführt, der auch auf der Deutschen Yu-Gi-Oh! TCG Meisterschaft in diesem Jahr als Head Judge dabei ist und die Public Events wie z.B. den TeamCup am Sonntag betreut.

Maik Schewe

1. Kannst du uns ein wenig von dir erzählen?

Hallo, ja natürlich. Ich bin Maik Schewe, komme aus dem schönen Niedersachen und wohne dort in der Nähe von Hannover. Im Internet bin ich vor allem unter dem Pseudonym “yomifrog” bekannt. Ich werde in diesem Jahr – wie bereits im letzten – Head Judge auf der Österreichischen Yu-Gi-Oh! Meisterschaft sein. Auf der Deutschen Yu-Gi-Oh! Meisterschaft werde ich zusätzlich die Ehre haben, der Head Judge für die kompletten Side Events zu sein.

2. Wann und wie hast du mit dem Judgen angefangen?

Hmm. Da muss ich mich etwas zurück erinnern. Ich meine ich habe ungefähr 2006 damit angefangen, auf einer niedersächsischen Regionalmeisterschaft in Gifhorn. Mit dem Spiel selber habe ich im Jahr 2005 angefangen „professionell“ zu spielen. Ich kam dann aber recht früh zum Schiedsrichterdasein und da mir das immer gut gefallen hat, blieb ich dabei und wie man sieht bin ich immer noch aktiv dabei.

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Interview mit Markus Steinbart, Head Judge und Head of Support

Zum Auftakt der Berichterstattung zum Realm Championship 2011 hatte unsere Redakteurin Martina Eckloff ein Interview mit Markus Steinbart geführt, der nun auch auf der Deutschen Yu-Gi-Oh! TCG Meisterschaft 2011 als Head of Support das Team unterstützt. Die hier aufgeführten Fragen drehen sich zwar hauptsächlich um seine Position als Head Judge auf dem Realm Championship, dennoch wollen wir es euch nicht vorenthalten…

Markus Steinbart

1) Wie bist du zum Sammelkartenspiel World of Warcraft gekommen?

Ich spiele seit 1992 Trading Card Games und halte grundsätzliche meine Augen und Ohren nach neuen TCGs offen. Als das World of Warcraft-Sammelkartenspiel angekündigt wurde und die Spieldynamik aus einer Mischung von Magic und Versus beschrieben wurde, hat das dann meine Neugierde geweckt. Und seit dem exklusiven Verkauf auf der Messe Spiel + Freizeit 2006 in Essen bin ich dabei.

2) Beschreibe doch mal deinen Karriereweg: Bei welchen Events hast du seither im World of Warcraft-Helferteam teilgenommen?

Mein erster Einsatz war bei der Österreichischen Meisterschaft 2008 in Wien als Floor Judge. Mittlerweile war ich schon bei einigen Großevents Schiedsricher, und zwar der Österreichischen Meisterschaft 2008 und 2009, den Realm Championships II bis V, der Deutschen Meisterschaft 2009 in Leipzig und der Schweizer Meisterschaft 2009 in Bern.

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Interview mit dem Judge Lead Marcos Marin-Galiano

Zum Auftakt der Berichterstattung zur Deutschen Pokémon Meisterschaft 2011 hat unser Redakteur Tobias Thesing ein Interview mit dem Judge Lead der Deutschen Meisterschaft Marcos Marin-Galiano geführt.

Marcos Marin-Galiano

Wie bist du zum Pokémon-Sammelkartenspiel gekommen, und wann hast du dich entschlossen, als Judge bei Turnieren mitzuwirken?

Ich bin über die Spielemesse in Essen dazu gekommen. Das war zur Zeit des Basissets, als der Boom um die ersten Konsolenspiele so richtig losgegangen war. Ich hatte da so am Rande was mitbekommen, also dachte ich mir: “Schau ich mir mal an, worüber da alle reden” und das war auch gleichzeitig mein erster Kontakt mit einem Sammelkartenspiel. Ich fand das Konzept, was dahinter steckt, so faszinierend, dass ich direkt eingestiegen bin.
Das mit dem Schiedsrichtern kam, als das Interesse an dem Pokémon-Spiel so um 2002/2003 merklich schwand und man sich ernsthafte Sorgen um die Zukunft des Spiels machen musste. Ich war der Meinung, dass ein fehlendes Turnierangebot dafür verantwortlich war und bot dem Auenland in Dortmund damals an, dass wir doch mal Turniere machen sollten. Man hat dem Ganzen zwar nicht viel Chancen gegeben, aber sich doch darauf eingelassen und das war dann die Keimzelle in NRW, aus der hier lokal alles Weitere entstand.

Was macht dir mehr Spaß, spielen oder judgen?

Das kommt immer darauf an, wie das derzeitige Spielformat ist. Zur Zeit ist Modified einfach fürchterlich langweilig und ich kann die ganzen SP-Decks einfach nicht mehr sehen, so dass mir zur Zeit judgen mehr Spaß macht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass sich das in naher Zukunft wieder etwas relativiert. HGSS-on und auch die Einführung von Pokémon TCG Online könnten mich wieder vermehrt ans Spielen bringen.

Welches Turnier war für dich bisher am schwierigsten und anstrengendsten zu judgen?

Definitiv die DM 2009, die relativ chaotisch war, mit vielen schwierigen und zeitraubenden Entscheidungen, darunter eine Disqualifikation und eine knifflige Situation, die mit Hilfe der Notizen des Coverage-Schreibers geklärt werden musste, weil sie über Tops oder nicht Tops entschieden hat.

Was waren deine interessantesten Erlebnisse und Situationen in deiner Laufbahn als Judge?

Da würde ich jetzt keine speziellen Sachen hervorheben. Besonders interessant ist es, mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen man noch nie zusammengearbeitet hat, und die auf einem hohen Level judgen. Da kann man immer noch mal etwas lernen, egal wie erfahren man ist.

Was macht deiner Meinung nach einen guten Judge aus?

(lacht) Ja, eine ähnliche Frage stelle ich Judgeanwärtern bei einem Bewerbungsgespräch auch. Häufig kommt wie aus der Pistole geschossen: “Ich kenne mich mit den Regeln gut aus”. Ja, eine profunde Regelkenntnis ist wichtig und sicherlich notwendig für einen guten Judge, aber nicht hinreichend. Regelkenntnis bringt mir nichts, wenn ich nicht zuhören kann, die Probleme nicht erfassen kann, und dann nicht bereit bin, die richtige Entscheidung zu treffen. Man benötigt Teamfähigkeit, einen guten Umgang mit anderen Menschen, Durchsetzungsvermögen und vieles, vieles mehr.

Wie bereitest du dich als Judge auf ein großes Turnier wie die Deutsche Meisterschaft vor?

Üblicherweise bereite ich mich auf große Turnier nicht anders vor als auf kleine Turniere. Da ich die gängigen Onlineforen besuche, bin ich eigentlich immer ziemlich up-to-date, was die Regeln angeht. Wenn ich wie bei der DM eine leitende Aufgabe habe, bereite ich meistens ein paar Stichworte vor, was ich auf den Stafftreffen und den Ankündigungen vor dem Turnier sagen möchte.

Worauf berufst du dich bei schwierigen Entscheidungen?

Im Prinzip berufe ich mich, so weit es geht, auf die offiziellen Regelwerke. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer sehr stark an den Penalty Guidelines (= Strafrichtlinien) klebe und nur in wirklich begründeten Fällen abweiche. Das ist auch ganz klar, denn: Solange ich alle meine Entscheidungen irgendwie von dort herleiten kann, kann mir auch keiner berechtigterweise Parteilichkeit oder schlechtes Schiedsrichtern vorwerfen, allenfalls kann der Spieler sich darüber beschweren, dass die Regeln Unsinn sind.

Du bist ja sozusagen von Anfang an mit dabei – wie hast du die Entwicklung des Pokémon-Sammelkartenspiels und seiner Community erlebt?

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da fand die Liga im Auenland drei mal pro Woche mit ca. 30 Spielern statt, man durfte nur zu einem der Termine kommen und musste sich auch noch Minimum zwei Wochen vorher anmelden, sonst hätte man keinen Platz mehr bekommen. Was sicherlich viel gekostet hat, waren das gleichzeitige Erscheinen von Yu-Gi-Oh! und der drohende Lizenzwechsel, woraufhin Wizards beinahe schon systematisch versucht hat, die Pokémon-Spieler in Magic zu treiben, indem sie Pokémon betont unattraktiv gemacht haben. Damals stand das Spiel praktisch vor dem Aus. Der Lizenzwechsel zu Pokémon USA hat dann endlich einmal für ein vernünftiges Organized Play-System gesorgt, und wenn man sich die Spielerzahlen heute ansieht, zeigt sich, dass dieser Lizenzwechsel das Beste war, was dem Spiel in seiner langen Laufzeit widerfahren ist.

Der Begriff Judge Lead ist vielen Lesern vielleicht nicht geläufig, da es diese Position nur bei sehr wenigen Turnieren gibt. Was sind dabei deine wichtigsten Aufgaben?

Im Prinzip leite ich das Schiedsrichterteam in seiner Gesamtheit. Ich gebe die prinzipielle “Gangart” im Turnier vor und achte darauf, dass das Judging in den einzelnen Altersgruppen konsistent bleibt. Da die Teams ja getrennt sind, weiß das eine Team nicht unbedingt, was das andere tut, deshalb benötigt man jemanden, der den generellen Überblick behält. Des Weiteren gebe ich zweite Meinungen zu kniffligen Situationen ab und bin in allen Entscheidungen mit schwerwiegenden Konsequenzen (wie z.B. Spielverluste) involviert.

Gibt es etwas, das du den Spielern im Hinblick auf die kommende deutsche Meisterschaft noch gerne mitteilen möchtest?

Seid gut vorbereitet, denn nichts ist schlimmer, als wenn man sich durch eine schlechte Vorbereitung selbst ein Bein stellt. Habt Spaß und lasst euch nicht über den Löffel barbieren: Ruft die Schiedsrichter, wenn ihr ein Problem habt. Dafür sind wir ja da.


Interview mit dem Head Judge Oliver Dürr – Masters Division

Zum Auftakt der Berichterstattung zur Deutschen Pokémon Meisterschaft 2011 hat unsere Redakteurin Karin Siehs ein Interview mit dem Head Judge der Masters-Division Oliver Dürr geführt.

Oliver Dürr

Bitte erzähl uns ein wenig über dich.

Mein Name ist Oliver Dürr. Ich bin inzwischen schon 24 Jahre alt und beschäftige mich ziemlich genau die Hälfte meines Lebens mit Sammelkartenspielen. Wenn ich gerade keine Papp-Karten in der Hand halte, studiere ich an der Universität Stuttgart Mathematik und Chemie mit dem Abschluss Lehramt an Gymnasien oder gehe mit Freunden irgendwelche lustigen Sachen machen.

Wie sieht deine Laufbahn als Judge aus?

Fangen wir doch damit an, wie ich angefangen habe: Nach dem erscheinen von Pokémon Rot und Blau im Herbst 1999. Es gab einen riesigen Pokémon-Hype und alle in meinem Alter haben Pokémon geliebt. Mich hat das auch voll erwischt, damals habe ich mein gan-zes Geld für Themendecks ausgegeben.
In einem wöchentlichen Treff in Stuttgart habe ich fast jede Woche gespielt und meine ersten kleinen Turniere als Schiedsrichter betreut. Unser Schwabenfight 2003 hat die da-mals sensationelle Zahl von über 45 Teilnehmern nach Stuttgart gezogen. Seit 2004 kann ich sagen: Ich habe an den Finalrunden aller deutschen Meisterschaften teilgenommen – als Schiedsrichter ;-)
Der nächste große Schritt war die Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2006 und 2007 als Übersetzer, ab 2008 bisher dreimal als Schiedsrichter in der Senior Division. Ein weite-res tolles Turnier war die ECC 2011 in den Niederlanden, wo ich die 193 Spieler in der Master Division als Hauptschiedsrichter betreut habe.
Das größte Turnier, auf dem ich als Schiedsrichter gearbeitet habe, war ein Magic: The Gathering Grand Prix mit weit über 1000 Teilnehmern.

Hattest oder hast du Vorbilder?

Natürlich. Ich denke, jeder blickt zu gewissen Menschen auf und hätte gerne einige ihrer Eigenschaften. Meine Vorbilder sind keine Stars und Sternchen, sondern Menschen, die ich getroffen habe und die mich durch ihre Fähigkeiten oder ihre Art und Weise, mit Menschen umzugehen, beeindruckt haben. Im Sammelkartenbereich waren das Huy Dinh, der von Pokémon auf Magic gewechselt hat, und Magic-Schiedsrichter Justus Rönnau.

Bereitest du dich auf größere Events vor?

Natürlich. Wie für jeden guten Spieler ist auch für Schiedsrichter eine gute Vorbereitung Pflicht. Dabei geht es um zwei Dinge: Man muss bei Regeln und Strafen auf dem aktuellen Stand sein, sie nochmals durchlesen und alles parat haben. Der andere wichtige Teil ist Kommunikation. Eine Absprache mit den Organisatoren und anderen Schiedsrichtern ist der Schlüssel zu einem guten Event.
Auch in der Nachbereitung, die zu jedem Event gehört, ist Kommunikation sehr wichtig. Jeder muss ganz klar ansprechen, wo er Verbesserungsbedarf sieht: Konstruktive Kritik ist hier das Zauberwort. Die Schiedsrichter in meinem Team möchte ich dabei weiterbringen, indem ich ihnen persönliches Feedback gebe und sie an meiner Erfahrung teilhaben lasse. Für mich selbst versuche ich immer, die Punkte zu verbessern, die mir andere als Schwachstellen nennen.

Was sind die größten Herausforderungen?

Dazu gehören Situationen an Spieltischen, in denen beide Spieler etwas anders erzählen und wir als Schiedsrichter herausfinden sollen, was wirklich passiert ist. Ein Beispiel, das es auch im Viertelfinale der letzten Deutschen Meisterschaft gab: Hat der Spieler in diesem Zug schon eine Energie gelegt oder nicht?
Da man hier oft nur sehr wenige Indizien hat, ist es schwer, die richtige Entscheidung zu finden. Die Verantwortung kann sehr groß sein, solche Situationen treten nämlich ver-mehrt dann auf, wenn beide Spieler unter Druck sind und es um einiges geht.
Allerdings wäge ich meine Entscheidungen gut ab und überlege mir immer schon eine Be-gründung, wie ich sie den Spielern gegenüber vertreten kann. Erst, wenn ich eine gute Begründung habe, treffe ich die Entscheidung.

Was machst du, wenn du einmal nicht weiter weißt?

Das einzig richtige: Ich frage nach. Auf großen Turnieren arbeitet immer ein Team von Schiedsrichtern zusammen. Wenn man gemeinsam an schwierige Situationen herangeht, findet man oft eine gute Lösung.

Gibt es noch andere Positionen im Organized Play, die du gerne ausübst?

Viele Turnierpositionen habe ich schon ausgeübt, die meisten davon gerne, wobei meine Lieblingsposition Head Judge ist. Hier kommen nämlich die beiden Dinge zusammen, die mich auf Turnieren am meisten reizen: Auf der einen Seite steht der organisatorische Teil, ein Team von Schiedsrichtern zu formen und sich um den Ablauf zu kümmern. Auf der an-deren Seite habe ich direkt mit Spielern, interessanten Entscheidungen und Situationen zu tun, die auf dem Turnier auftreten.

Gibt es eine Anekdote, die du kurz erzählen möchtest?

Vor einigen Jahren durfte man in Europa noch japanische Karten spielen, wenn entspre-chende Referenzen benutzt wurden. Ein Spieler auf der DM spielte vier japanische Sonder-bonbons, die man leider eindeutig erkennen konnte, weil man den Kartenrücken durch die Hüllen durchschimmern sah. Wir mussten, nach den damaligen Regeln, eine Disqualifikati-on aussprechen.
Spieler sind für den Zustand ihres Decks selbst verantwortlich. Darum mein Tipp: Achtet darauf, dass alle eure Karten auf der Rückseite gleich aussehen. Wenn ihr euch unsicher seid, fragt einen Schiedsrichter, ob das so okay ist.

Hast du noch andere Tipps für Nachwuchs-Judges oder Spieler?

Klar! Zwei Dinge sind für beide wichtig: Kommunikation und Reisewillen. Sowohl als Spie-ler als auch als Schiedsrichter kann man seine Leistung über Erfahrung enorm steigern. Am besten entwickelt man sich weiter, indem man von besseren und erfahreneren Leuten lernt. Also versucht, so viele Tipps und Tricks wie möglich mitzunehmen.
Und vergesst eine Sache nicht: Pokémon soll Spaß machen!


Interview mit dem Head Judge Cetin Yildirim – Senior Division

Zum Auftakt der Berichterstattung zur Deutschen Pokémon Meisterschaft 2011 hat unsere Redakteurin Yasmin Kiss ein Interview mit dem Head Judge der Senior-Division Cetin Yildirim geführt.

Cetin Yildirim

Wie lange bist du schon Schiedsrichter?

Ich judge seit 2003 regelmäßig Pokémon-Turniere in Deutschland und der Schweiz.

Wie bist du zu dem Spiel gekommen?

Ich sollte Freunde einen Tag zur Liga begleiten und auf einmal hat mich die Liga in Stuttgart für ein Teamplay-Turnier rekrutiert und mir ein Deck in die Hand gegeben. Und zack war ich Spieler dieses Spiels, meine Freunde haben dann aufgehört und ich bin immer noch da und es macht immer noch sehr viel Spaß!

Wieso bist du lieber Judge anstatt zu spielen?

Ich übernehme gerne Verantwortung für diverse Abläufe und möchte aktiv bei der Gestaltung von TCG-Events mitwirken, auch weil ich als ehemaliger sehr aktiver Spieler oft meine Vorstellungen hatte, wie man etwas bewegen und besser machen kann. Das Judgen dient dazu, in die Organisation einzugreifen und das Spiel zu fördern, das ist mein Hauptanliegen. Deswegen lege ich gern das Spielen ab, dennoch bin ich in meiner freien Minute auch gern als Spieler unterwegs und versuche auch da weiterzukommen, schließlich haben wir alle ja mal mit Spielen angefangen und es machst Spaß!

Was magst du am Judgen besonders?

Man lernt viele interessante Leute und auch Decks kennen. So kann man sich die Ideen der Leute anschauen und freut sich, wenn man die ein oder andere kuriose Idee mal in die Tat umgesetzt sieht. Außerdem bekommt man einfach unheimlich viele Eindrücke, die in einem Turnier so passieren.

Ist das Judgen anstrengend?

Ich sehe es als ein Hobby. Ich habe es bewusst gewählt,denn ich laufe sehr gerne auf den Turnieren. Es ist immer wieder was neues Spannendes, aber ich will nicht leugnen, dass es auch anstrengend ist, denn nach so manch einem langen Turnier freut man sich auch auf das Bett.

Wo hast du schon alles gejudged?

Angefangen hat es bei mir mit der Stadium Challenge Stuttgart 2004 als wirklich erstes großes Turnier, dann war ich bei der Deutschen Meisterschaft 2004 dabei und hatte die Ehre, ab und an bei der Schweizer Meisterschaft als Head Judge tätig zu sein. Regelmäßig bin ich in letzter Zeit bei größeren Events wie z.B. den State Championships und Regionals dieses Jahr unterwegs gewesen. Ansonsten natürlich auf vielen lokalen Turnieren und Battle Roads und der Deutschen Meisterschaft in Köln letztes Jahr.

Bereitest du dich in besonderer Weise auf Events vor?

Natürlich liest man sich die Regeln vorher nochmal durch und schaut, was sich so ändert, es kommen ja mal wieder Kartenänderungen oder Regeländerungen, die man als Judge kennen sollte. Ansonsten hilft es mir natürlich, dass ich in Stuttgart immer mal wieder in der Liga selber spiele.

Was gefällt dir besonders an dieser Arbeit?

Der Kontakt zu vielen Menschen, ich habe seit 2003 natürlich sehr viele Leute kennengelernt, die man immer wieder sieht. Es ist oft wie eine große Familie.

Was waren die wichtigsten/beeindruckenden Situationen und Erfahrungen?

Bei den ersten Tunieren habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, und das hat auch in meinen Leben sehr geholfen, denn es hat mir gezeigt, dass man in jungen Jahren Verantwortung übernehmen kann.
Beeindruckende Situationen sind vor allem, dass das Spiel sowohl bei Jung als auch bei Alt ankommt! Ich finde es persönlich immer klasse, wenn Familien auf Turniere anreisen und Spaß am Spielen mitbringen!
Es ist auch sehr interessant, Junioren zu sehen, die sehr talentiert mit dem Spiel und der Strategie umgehen können. Ebenfalls beeindruckend für mich ist auch, dass es viele Menschen gibt, die viel Herzblut in das Organzied Play, also Turniere und den Ligabetrieb, investieren.

Was ist besonders schwierig / herausfordernd?

Ab und an gibt es Situationen, die wirklich harte Entscheidungen verlangen. Auch wenn es nur ein Spiel ist, so hat jedes Spiel seine Regeln, und für die sind wir als Judges verantwortlich.
Man muss durch solche Situationen durch

Kannst du jungen Talenten ein paar Tipps mit auf den Weg geben?

Nie aufgeben, aber vor allem dürfen sie nie den Spaß aus den Augen verlieren. Man sollte seine Ziele verfolgen und schauen, dass man sich auch ab und an in der Liga einfindet oder Spielpartner im Freundeskreis zum gemeinsamen Testen gewinnt. Aber es gilt immer, sportlich und fair zu bleiben.


Interview mit dem Head Judge Ingo Siegling – Junior Division

Zum Auftakt der Berichterstattung zur Deutschen Pokémon Meisterschaft 2011 hat unsere Redakteurin Yasmin Kiss ein Interview mit dem Head Judge der Junior-Division Ingo Siegling geführt.

Ingo Siegling

Wie lange bist du schon Schiedsrichter?

Ich judge seid 2008.

Wo hast du schon gejudged?

Ich habe auf (Pre-)Releases, Battle Roads, City, State sowie Regional Championships und Deutschen Meisterschaften gejudged, die überall in Deutschland verteilt waren, wie z.B. Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bonn. Außerdem war ich einmal als Übersetzer auf der Weltmeisterschaft in San Diego tätig.

Bist du lieber Judge oder Spieler?

Ich judge und spiele gerne, immer abwechselnd.

Wie viele Judges werden auf einem Tunier benötigt?

Das ist schwer zu sagen, da es immer von der Teilnehmerzahl abhängt – etwas 20-25 Spieler pro Judge sind meist vorgesehen.

Bereitest du dich in besonderer Weise auf Events vor?

Ich halte mich durch Internetforen und Diskussionen mit anderen Judges immer auf demn aktuellen Stand von Regeländerungen und Referenzentscheidungen. Zusätzlich erkundige ich mich, wie viele Teilnehmer vorangemeldet sind, damit ich weiß, mit wie vielen Spielern ich rechnen kann.

Welche Dinge hast du gelernt/mitgenommen?

Alle Spieler respektvoll und fair zu behandeln – und dabei den Spaß nicht vergessen!

Was ist besonders schwierig / herausfordernd?

Die richtige Entscheidung zu treffen, wenn die Spieler unterschiedlicher Meinung über eine Spielsituation sind. Man muss außerdem immer die Ruhe behalten, und das ist manchmal nicht ganz einfach.

Ist der Druck in einer solchen Position besonders hoch?

Der Druck ist da, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, aber damit muss man umgehen.

Wie bereitest du dich auf ein Event vor?

Am Vortag die Tasche kontrollieren, ob alle benötigten Utensilien eingepackt sind, und natürlich regelmäßig nach Regeländerungen Ausschau halten.

Wie wird die Arbeit nach dem Event ausgewertet?

Zwischen den Runden und nach dem Event werden Besprechungen der Judges durchgeführt, um Erfahrungen auszutauschen.

Kannst du jungen Talenten ein paar Tipps mit auf den Weg geben?

Je besser man das Spiel und die Regeln kennt, desto einfacher kann man Entscheidungen treffen. Bei strittigen Situationen immer ganz neutral beide Seiten anhören und sich nicht davor scheuen, durch einen weiteren Judge eine zweite Meinung einzuholen.
Man sollte sich mit dem Spiel und den Regeln auskennen, kontaktfreudig und lernfähig sein. Zusätzlich sollte man auch Spaß und Interesse an dem Spiel haben.


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