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Liebe Pokémon-Spieler!

Mich würde interessieren: Wer von euch spielt das Videospiel? Wer das Sammelkartenspiel?
Und wie viele von euch können (oder wollen!) sich nicht entscheiden und spielen beides gern?

Heute möchte ich nämlich die Gelegenheit nutzen, die beiden wichtigsten Spiele im Pokémon-Universum etwas näher zu beleuchten, und auf die größten Gemeinsamkeiten und Unterschiede einzugehen. Noch ist die Saison jung und es gibt massig Gelegenheiten für alle Trainer, um ins Turniergeschehen einzusteigen – und vielleicht entscheidet sich ja die eine oder der andere, über den Tellerrand zu blicken und auch das andere Spiel mal anzutesten?
Zwei Spiele machen schließlich doppelt so viel Spaß wie eins, und für die Ehrgeizigeren unter uns bieten sich damit auch doppelt so viele Chancen, sich für die Weltmeisterschaften 2016 in San Francisco zu qualifizieren und hautnah von der unglaublichen Atmosphäre in den Bann ziehen zu lassen!

Gameplay: Besonderheiten der Spiele

Die größte Gemeinsamkeit von Sammelkarten- und Videospiel ist natürlich, dass wir unser perfekt abgestimmtes Pokémon-Team gegen das anderer Trainer antreten lassen, um uns in spannenden und unterhaltsamen Kämpfen miteinander zu messen. Dabei ist in beiden Fällen nicht nur die Zusammenstellung des Teams bzw. Decks wichtig, sondern auch strategisches Verständnis und ein Quäntchen Glück, wenn man ganz vorne mitspielen will.

Der Hauptunterschied besteht darin, dass man im Videospiel seine Pokémon fertig trainiert in den Kampf schickt und im Normalfall versucht, mit den Attacken möglichst viele unterschiedliche Schwächen abzudecken. Im Sammelkartenspiel dagegen fokussieren sich die meisten Decks auf möglichst wenige Typen und spielen fast alle Karten in mehrfacher Ausführung, da man die richtigen Karten erstmal ziehen und jedes Pokémon von der Basisstufe an neu aufbauen muss.

Starke Typen!

IMG_7774Der Typ eines Pokémon ist für jeden Pokémon-Trainer wichtig – vom Käfersammler über den Drachenprofi bis zum Ass-Trainer. Im Videospiel gibt es inzwischen 18 Typen, aber für effizienteren Deckbau wurden sie etwas zusammengefasst: So zählen beispielsweise Pokémon der Typen Geist und Gift als Psycho-Pokémon. Pokémon mit Doppeltypen gibt es oft in beiden Varianten. So wurde etwa Lucario bereits als Kampf-, aber auch als auch Metallkarte gedruckt. Und ein paar wenige Pokémon haben sogar aufgedruckte Doppeltypen oder bekommen durch eine Fähigkeit den zweiten Typ dazu!

Apropos Fähigkeiten: Im Videospiel hat jedes Pokémon eine, die zufällig aus ein bis zwei regulären Fähigkeiten ausgewählt wird, oder unter bestimmten Voraussetzungen eine Versteckte Fähigkeit sein kann. Im Sammelkartenspiel sind Fähigkeiten wesentlich seltener, dafür aber umso beliebter, sofern sie die Strategie des Decks unterstützen.

Was im Videospiel die Typvorteile sind, wird im Sammelkartenspiel als Schwäche und Resistenz ausgedrückt. Während Videospieler sich die Typen aller Pokémon und die Tabelle ihrer Vor- und Nachteile merken müssen, hat eine Pokémon-Karte nur gegenüber den Typen Schwäche und Resistenz, die im entsprechenden Bereich angegeben sind. Sie basieren aber auf den Videospiel-Interaktionen: So haben zum Beispiel Wasserpokémon typischerweise Pflanzen- oder Elektroschwäche, Eispokémon (die ebenfalls zu Wasser zählen) sind dagegen oft anfällig gegen Metall (Stahl).
Außerdem wird im Sammelkartenspiel nicht der Typ der Attacke zur Schadensberechnung verwendet, sondern der Typ des Pokémon selbst: Nehmen wir zum Beispiel ein Brutalanda, bei dem auf der Karte oben rechts der Drachen-Typ aufgedruckt ist. Obwohl es zum Angreifen Feuer- und Wasser-Energie braucht, ist sein Schaden immer von Typ Drache.

Pikachu, Donnerblitz!

Energie ist quasi das Gegenstück zu AP, nur mit umgedrehten Vorzeichen. Im Videospiel kann ein Pokémon sofort angreifen, aber jede Attacke nur so lange einsetzen, bis die AP aufgebraucht sind. An seine Pokémon-Karten darf man dagegen in jedem Zug nur eine Energiekarte von der Hand anlegen. Damit ein Angriff eingesetzt werden kann, muss sowohl die Anzahl der Energien als auch die Farbe stimmen (wobei für Farblos beliebige Energie angelegt sein darf).

Energiekarten werden auch zum Zurückziehen gebraucht: Einmal pro Zug darf man die aufgedruckte Anzahl Energien vom Aktiven Pokémon ablegen, um ein anderes von der Bank aus in den Kampf zu schicken. Die Höhe der Rückzugskosten orientiert sich übrigens am Videospiel: Hat ein Pokémon eine besonders hohe Initiative, sind seine Rückzugskosten meist niedrig oder null. Besonders schwere Pokémon müssen dafür oft drei oder mehr Energie opfern, um selbstständig aus der aktiven Position wegzukommen.

Angriffe finden im Sammelkartenspiel immer abwechselnd statt. Am Ende des eigenen Zuges darf das Aktive Pokémon angreifen – wie im Videospiel auch dann, wenn es gerade erst eingewechselt wurde. Dort läuft der Kampf ebenfalls rundenbasiert ab, die Reihenfolge wird aber durch die Initiativewerte der Pokémon festgelegt. Außerdem gibt es strategische Möglichkeiten wie Angriffe mit Priorität (zum Beispiel Patronenhieb), das Item Flinkklaue oder die Fähigkeit Strolch, durch die man früher angreifen darf.

Hyperball, Fokusgurt und Evolith

Christian vs DavidGetragene Items spielen generell eine große Rolle: Sie können nicht nur bei der Vorbereitung helfen, sondern auch im Kampf die Statuswerte oder die Angriffskraft verbessern, ein Pokémon schützen oder heilen, die Mega-Entwicklung ermöglichen, Wettereffekte verlängern und einiges mehr.
Auch im Sammelkartenspiel sind sie enorm wichtig: Hier gibt es Trainerkarten, die in Items, Unterstützer und Stadien unterteilt sind. Items sind Gegenstände, von denen in jedem Zug beliebig viele ausgespielt werden dürfen und die ein Deck enorm schnell machen können. Zu den Unterstützern zählen Professoren, Arenaleiter und andere Charaktere, die dem Spieler einmal pro Zug zur Seite stehen können. Und ein Stadion schafft eine Arena, die für beide Spieler gilt und meist eine bestimmte Gruppe von Pokémon unterstützt.

Gleiche Karten sind klarerweise immer identisch. Wenn ein Spieler ein Pokémon auf die Bank legt, weiß sein Gegner ganz genau, was es alles kann – er darf es schließlich jederzeit lesen.
Im Videospiel kann ein und dasselbe Pokémon aber komplett unterschiedlich gespielt werden: Viele Angreifer sind entweder auf maximalen Schaden oder maximale Geschwindigkeit ausgelegt, manche können sich auf physische oder spezielle Angriffe spezialisieren, andere ebendiese gezielt oder ausgeglichen abfangen… ganz zu schweigen von unterschiedlichen Rollen im Team, die durch unterschiedliche Angriffe und Items möglich werden.
Im Sammelkartenspiel kommen Strategien und Überraschungen daher meist durch unterschiedliche unterstützende Karten zustande, oder wenn etwas erst dann ausgespielt wird, wenn es wirklich gebraucht wird.

Sechserpack

Die sechs Team-Pokémon werden im Sammelkartenspiel einerseits durch sechs Plätze im Spiel (ein Aktives und bis zu fünf Bankpokémon), andererseits durch Preiskarten repräsentiert: Zu Anfang des Spiels legt jeder Spieler sechs Karten vom Deck zur Seite, und immer wenn ein gegnerisches Pokémon besiegt ist, darf man eine seiner eigenen Preiskarten auf die Hand nehmen. Wer zuerst alle Preiskarten gezogen hat, gewinnt das Spiel.
»Aber Moment mal«, werden jetzt vielleicht die Videospieler einwerfen, »wir müssen vier unserer Pokémon auswählen, die wir tatsächlich in den Kampf schicken!« – dem tragen im Sammelkartenspiel gewissermaßen die beliebten Pokémon-EX Rechnung. Sie sind so mächtig, dass der Gegner nach dem KO einen zusätzlichen Preis ziehen darf und entsprechend weniger Pokémon besiegen muss.
Die zweite Siegbedingung funktioniert fast genauso wie im Videospiel: Hat ein Spieler kein kampffähiges Pokémon mehr auf dem Feld, ist das Spiel auch sofort entschieden.

Beim Format gibt es eine weitere große Ähnlichkeit: Beide Spiele erlauben in freundschaftlichen Kämpfen fast alle Pokémon bzw. Karten, im Turnier gibt es aber Einschränkungen. Während im Sammelkartenspiel nur die Karten aus den neuesten Sets erlaubt sind, sind im Videospiel viele Legendäre und Mystische Pokémon verboten.
Interessanterweise ist der Modus genau umgekehrt: Alle Premier Events im Videospiel werden im strategisch interessanteren Doppelkampf ausgetragen, während das Sammelkartenspiel auch im Einzelkampf sehr spannend ist. Allerdings gibt es im Sammelkartenspiel ebenfalls Regeln für Doppelkämpfe mit zwei Aktiven Pokémon.
Die Spaßformate Multikampf und Teamkampf sind sich dafür wieder sehr ähnlich: Zweierteams spielen gegeneinander, wobei jeder Spieler drei Pokémon in den Kampf schickt, bzw. drei Preiskarten auslegt. Das Team, das zuerst sechs Preiskarten zieht oder alle Pokémon beider Gegner besiegt, gewinnt.

Und wenn wir schon bei Formaten sind…

Community und Organized Play

IMG_7128Durch die Premier Challenges, die seit den Alpha & Omega Series vergangenes Jahr auch Videospielern regelmäßige Turniererlebnisse bieten, werden inzwischen Fans beider Pokémon-Spiele vom Organized Play betreut.
Während das Sammelkartenspiel auf eine langjährige Turniertradition mit einer Reihe regelmäßig stattfindender Premier Events zurückblicken kann, arbeiten immer mehr lokale Turnierveranstalter auf Hochtouren daran, euch das ganze Jahr über für beide Spiele eine Anlaufstelle zu geben, die von diesen Erfahrungen profitieren. Viele von uns konnten schon eine Stammspielerschaft im Sammelkartenspiel aufbauen, und dasselbe wollen wir auch für unsere Videospieler schaffen.

Passend dazu bietet Play! Pokémon sehr ähnliche Eventstrukturen für beide Spiele an:

Lokale Events

Die Pokémon-Liga als regelmäßiges Treffen unterstützt meist beide Spiele. Sie richtet sich vor allem für diejenigen, die die Spiele kennenlernen, gemeinsam an Strategien feilen und einfach Spaß haben wollen, und das so entspannt oder zielstrebig wie man möchte.
Häufig nehmen auch erfahrenere Spieler teil, die beim Deckbau helfen oder Tipps zum effektiven Züchten geben können, oder auch gemeinsam üben wollen. Und egal ob du gewinnst oder verlierst, jeder Kampf bringt dich besonderen Preisen näher, die du nur dort verdienen kannst!

In der Liga kann man sich auch gleich eine Spieler-ID ausstellen lassen und anschließend mit dem Trainer Club Account auf pokemon.de verknüpfen. Dieser Account gilt gleichzeitig für den PGL (Pokémon Global Link), bei dem man seine Pokémon-Editionen registrieren und online kämpfen kann, und das PTCGO (Pokémon Trading Card Game Online), das sehr anschauliche Sammelkarten-Tutorials und Kampfmodi gegen Computergegner sowie andere Spieler bietet.

Wer sich schon sicher genug fühlt, kann an Premier Challenges (Videospiel) und Liga-Herausforderungen (Sammelkartenspiel) teilnehmen. Beides sind entspannte Turniere auf lokaler Ebene, die etwa alle ein bis zwei Monate stattfinden. Beide sollen vor allem Einsteigern helfen, erste Erfahrungen zu sammeln und Turnierluft zu schnuppern – aber auch für erfahrene Spieler lohnt sich die Teilnahme, da es für die Bestplatzierten CP (Championship Points) für die WM-Qualifikation zu gewinnen gibt.

Ein wenig größer sind die City Championships für Sammelkartenspieler. Etwas Vergleichbares für das Videospiel sollen die brandneuen Midseason Showdowns werden, die ab Anfang nächsten Jahres in den Startlöchern stehen. Auch sie sind eher entspannt und haben den Fokus darauf, dass neuere Spieler dazulernen können.

Schon wesentlich größer und wichtiger sind die Regional Championships, die zweimal im Jahr stattfinden. Sie werden inzwischen auch für das Videospiel von verschiedenen lokalen Veranstaltern angeboten und es gibt größere Preise, die Spieler aus einem deutlich weiteren Umkreis anziehen – entsprechend zählen sie als Fortgeschrittenen-Event. Trotzdem sind natürlich auch Einsteiger gerne gesehen!

AMIGO-Events

IMG_3415Ganz ähnlich wie Regionals sind die überregionalen Arena Cups: Diese Reihe von internationalen Special Premier Events wird von AMIGO selbst viermal pro Jahr angeboten. Hier können sowohl Sammelkarten- als auch Videospieler ihr Können gegen Spieler aus ganz Europa auf die Probe stellen, und die Spielerzahlen klettern auch mal in den dreistelligen Bereich – und das pro Spiel.

Der Höhepunkt des Turnierjahres ist die Nationale Meisterschaft. Auch hier spielen Sammelkarten- und Videospielteilnehmer parallel und versuchen, sich die heiß begehrten Tops-Plätze zu holen, die jede Menge Preise abwerfen – darunter auch einen Haufen CP.

Aber was sind diese Championship Points überhaupt? Ganz einfach: Wer seine Spieler-ID mit seinem Trainer Club Account verknüpft und die entsprechende Option aktiviert, kann das ganze Jahr über CP sammeln. Ab einer bestimmten Anzahl Punkte, die von Land und Altersgruppe abhängt, ist man für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Und wer es an die Spitze der Rangliste schafft, kann sich unter anderem einen Travel Award sichern, bei dem die Pokémon Company die Reisekosten übernimmt!

Damit sind wir auch schon bei der letzten Station:

WORLDS!

Lasst euch gesagt sein, die Stimmung auf der Weltmeisterschaft ist unbeschreiblich. Mitspielen darf nur, wer sich qualifiziert hat, aber auch zuschauen und mitfiebern ist möglich – sowohl vor Ort als auch von zu Hause aus per Livestream. Aber wer hinkommen kann, sollte sich dieses Erlebnis auf keinen Fall entgehen lassen!

Alle diese Turniere haben zum Ziel, die Communitys beider großen Pokémon-Spiele zu stärken und weltweit Freundschaften knüpfen zu können – denn was verbindet mehr als ein gemeinsames Hobby?

In diesem Sinne: Bald stehen die Regionals fürs Sammelkartenspiel an – noch ist etwas Zeit für Vorbereitungen, und so stark wie die Pokémon-Community gerade ist, können wir mit Hilfe einiger Videospieler vielleicht sogar neue Teilnehmerrekorde aufstellen?
Im Gegenzug lassen sich bestimmt auch Sammelkarten-Spieler dafür begeistern, die 40-Spieler-Marke für Premier Challenge Enhanced und die damit verbundenen Bonus-CP zu knacken!

Im Zentrum beider Spiele stehen letzendlich Pokémon, eingebettet in eine Community, die für viele zur zweiten Familie geworden ist. Es lohnt sich, über den Tellerrand zu blicken und auch die andere Variante mit ihren Ähnlichkeiten und Eigenheiten kennenzulernen, versprochen – schließlich machen beide Spiele auf ihre eigene Weise eine Menge Spaß!

 

Karin Siehs

Karin Siehs

 

 

 

 

 

 

 

 

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