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Es ist Donnerstag Abend. Ich bin auf dem Weg zum Volunteer-Cup, einem Spielewochenende, das von Amigo jährlich als Dankeschön für unseren Einsatz für die Community veranstaltet wird. Unser Demo-Team ist schließlich das Jahr über in ganz Österreich und Deutschland unterwegs, um als Mentoren vor Ort unsere Lieblingsspiele zu betreuen, als Schiedsrichter für faire Events zu sorgen, oder als Spieleerklärer gute Laune zu verbreiten – und dafür dürfen wir uns jetzt selbst austoben!
Wir erhoffen uns auch in diesem Jahr wieder jede Menge Spaß, und das fängt selbstverständlich damit an, die anderen Volunteers wiederzusehen.

Das Schöne an der Community ist, dass man sich absprechen und gegenseitig aushelfen kann. Wir bilden oft Fahrgemeinschaften, und dieses Mal kann ich auch gleich bei einem Kollegen übernachten, um am nächsten Tag entspannt anzukommen.
In diesem Jahr geht es nach Kastellaun bei Koblenz, wo wir im Freizeitheim FUNtasie das Wochenende gemeinsam verbringen werden. Kaum angekommen, werden von den ersten Volunteers begrüßt. Drinnen probieren manche schon die Spiele für den Cup aus, die uns Amigo zur Verfügung stellt, andere unterhalten sich angeregt, und eine Gruppe testet den Prototyp für ein Spiel, an dem ein Kollege gerade arbeitet. Eine Begrüßungsrunde und viele herzliche Umarmungen später setze ich mich mit einer stetig wechselnden Gruppe zusammen, um auch das eine oder andere Spiel zu erklären oder lernen. Wir verhexen unsere gegenseitig mit Witches, rufen für unsere Kombinationen in Bubble Bomb „Bumm!“ und „Banzai!“, suchen bei Kerflip blitzschnell nach Worten, bilden möglichst lange Kartenreihen in Schwarz Rot Gelb und messen die Kräfte unserer Resonatoren in Force of Will. Draußen werden Mölkky-Hölzer umgekegelt. Manche spielen außerdem Neuheiten und Klassiker an, die uns Amigo zur Unterhaltung und zum Ausprobieren mitgebracht haben. Auch die Teams werden ausgelost, und es geht an die Teamnamensfindung. Diesen Cup werde ich zusammen mit Isabell, Petra und Seb bestreiten – als die „Drei Engel für Schrödi“. Andere Teams nennen sich beispielsweise „Team ohne Hose“, „Die Vampirischen Küchenchefs“ oder „Die Flaschennudeln“.

Bei Riesen-Speedcups ging es wieder einmal hoch her.

Bei Riesen-Speedcups ging es wieder einmal hoch her.

Schließlich ist das Schnitzelessen (mit vegetarischer Alternative) eröffnet, für das unser Organized Play Manager Sebastian Matthies persönlich in der Küche gestanden ist, und alle lassen es sich gut schmecken. Selbstverständlich ist da schon angesagt: Alle Füße hoch, denn die Witze fliegen tief! Anekdoten werden erzählt, neuere Volunteers in Insiderwitze eingeweiht, kurz: die Stimmung ist großartig. Bald sitzen wir gemütlich auf der Terrasse an den langen Tischen zusammen, reden und lachen und merken nicht, wie die Zeit vergeht. Manche gehen schon früher schlafen, andere bleiben noch die halbe Nacht wach – man sieht sich in so großer Runde schließlich nur zwei, drei Mal im Jahr. Irgendwann lange nach Mitternacht, als die letzten auch schon im Stehen einzuschlafen drohen, wandeln wir schließlich doch auf unsere Zimmer.

Pünktlich um 9 Uhr sitzen wir aber alle am Frühstückstisch, wach und bereit für den Tag. Halb so viel Schlaf erwischt wie gewohnt? Vollkommen normal! Ein Hoch auf den „Eventmodus“, der (häufig in Kombination mit etwas Kaffee) selbst den harten Kern der Spätaufbleiber auf jedem Event zuverlässig munter kriegt.

Bald geht es in die erste Runde: zwei Spieler aus jedem Team versuchen mit Witches zu punkten (darunter auch ich), während die andere Hälfte das „Wikingerkegeln“ Mölkky spielt. Das Glück ist mir hold – ich mache fast keine Minuspunkte, und meine einzige schlechte Hand ist SO schlecht, dass ich alle roten Karten und eine grüne Hexe sammeln kann, um meinen beiden Gegnern einen richtig fiesen Feuerzauber entgegenzuwerfen.

In Runde 2 steht Quiddler an. Das Spielprinzip erinnert an Rommé, allerdings sind auf den Karten Buchstaben aufgedruckt, mit denen Worte gebildet werden müssen. Petra und Seb bleiben an den Tischen, während Isabell und ich im Garten die Eimer für die Speed Cups-Großversion aufbauen. Unsere Gegner sind Ingo und Roland aus dem Team ohne Hose, und wir wissen: das wird ein harter Kampf. Wir Mädels sind beide schnell im Anordnen der Eimer und beim Zur-Glocke-Laufen – aber die Männer genauso, und sie haben längere Beine als wir. Der Ehrgeiz in beiden Teams ist groß.
Mit vollem Einsatz wird gestapelt und gerannt, und wir liefern uns ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Ab und zu passieren Fehler, zur großen Freude des anderen Teams. Manche Motive, wie die Robbe und der Gewichtheber, müssen zurückgestellt und später wiederholt werden, weil beide Teams sich verstapeln.
Nachdem wir etwa die Hälfte der Kärtchen nachgebaut haben, passiert es: Beide Läufer stürzen zur Glocke und rennen den Stuhl um, auf dem sie steht. Roland rollt zur Seite weg, aber Isabell hat es voll erwischt. Ihr halber Unterschenkel ist aufgeschürft – und trotzdem besteht sie darauf, weiterhin zu laufen.
Sie holt uns noch ein paar Punkte, aber schließlich wechseln wir doch, damit sie ihr Bein und ihren Atem ein wenig schonen kann. Meinen Kampfgeist drücke ich durch spielerisches Knurren und wohldosierte Tackles aus, und Roland (der mich locker um zwei Köpfe überragt) gibt lachend vor, vor Angst zu zittern. Letztendlich geht das Spiel 16:20 für uns aus, und fast jede Karte beider Teams war hart erkämpft und ehrlich verdient. Alle vier klatschen wir uns gegenseitig ab und umarmen uns – mit dem letzten Glockenschlag ist auch die Rivalität passé und wir beglückwünschen einander zu dieser sportlichen Leistung.

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Force of Will war das beliebteste Spiel des ganzen Cups – mit Abstand!

Auch die nächste Runde spiele ich mit Isabell zusammen, während die anderen beiden bei der Spieleneuheit Kerflip aus zufällig zusammengeworfenen Buchstaben Wörter bilden. Für uns beide geht es diesmal um Schwarz Rot Gelb.
Obwohl wir gegen Miri, eine der stärksten Spielerinnen im Raum, antreten müssen, können wir uns gut behaupten und schließen auch die eine oder andere Reihe zuerst ab. Doch dann verlässt uns das Glück: Wir decken Karte um Karte auf, aber keine lässt sich anlegen. Das können wir nicht mehr aufholen – zumindest nicht gegen sie. Dennoch versuchen wir weiterhin, so lange Reihen wie möglich zu bilden, um jeden möglichen Punkt mehr zu holen.

Später steht noch ein Sealed-Turnier mit Force of Will auf dem Programm. Viele haben die Regeln des neuen Sammelkartenspiels gerade erst gelernt und tüfteln eifrig, welches Decks sie aus ihren sechs Boosterpacks bauen könnten. Auf welchen Farben will ich aufbauen? Welche Strategie verfolgen? Und welchen Herrscher brauche ich dafür?
Letztendlich wird mein Deck Feuer/Wasser, angeführt von Jeanne d’Arc. Und es wird von meinen Gegnern komplett überrannt. Einer hat beispielsweise eine Armee aus Werkaninchen und kann mir in Sekundenschnelle mein komplettes Feld auf die Hand zurückgeben, weil ich keine entsprechenden Konterkarten eingebaut hatte. Aber mit etwas mehr Spielerfahrung passiert mir das sicher nicht noch einmal – und ich werde diesen Cup nutzen, um davon so viel wie möglich zu sammeln!

Und noch ist ja nicht alles verloren: Am nächsten Tag findet noch ein Teamturnier statt, für das jedes Viererteam den Kartenpool kombinieren darf. Bis dahin ist noch etwas Zeit, um ordentliche Decks zusammenzuwerfen.
Nachdem das Mittagessen schon ein bisschen her ist, setzen wir uns aber erstmal mit Nudelsalat und Brötchen bewaffnet an die Grillstelle und schauen dem Essen beim Brutzeln zu. Die Teams haben sich schon durchmischt, und überall wird gegessen, geredet und gelacht. Natürlich ist Force of Will für viele gerade ein großes Thema, und ein paar der erfahreneren Spieler geben gerne den einen oder anderen Tipp weiter.

Schließlich sammelt Cetin alle Leute ein, die mit ihm Werwolf spielen wollen. Während die Runde unter schallendem Gelächter die jeweils zugelosten Rollen ausspielt und versucht, die Werwölfe in ihrer Mitte zu identifizieren, laufen Seb und ich nach oben, um unseren Kartenpool auf dem Schlafzimmerboden auszubreiten. Schnell zeigt sich, dass wir damit fünf Decks mit unterschiedlichen Strategien zusammenstellen könnten. Bevor wir diese „Cores“ jedoch zu fertigen Decks ausbauen, wollen wir uns noch mit Isabell und Petra abstimmen.
Also schauen einen Sprung zur Werwolf-Gruppe, wo sich uns ein Bild für Götter bietet: Cetin steht in der Mitte der Runde, beinahe Tränen lachend und gleichzeitig bemüht, das Spiel dramatisch-unterhaltsam zu moderieren. Er zeigt gerade auf einen Spieler: „…wurde von den Werwölfen umgebracht – und du reißt deinen Lover mit ins Verderben. Das Liebespaar ist TOOOT!!“ Die beiden männlichen Volunteers sehen einander an, grinsen breit und fallen sich, übertrieben gestikulierend, in die Arme. Sie liefern die Darbietung eines Paares ab, das alles andere als tot wirkt – und die restliche Runde droht vor Lachen vom Stuhl zu fallen.

Eine kleine Weile später wird es uns auf dem Zimmer zu einsam. Wir sammeln unsere Karten ein und übersiedeln in den Aufenthaltsraum, wo wir noch eine Gruppe Volunteers beim Spielen antreffen. Wir reden und scherzen mit ihnen, während wir ausgiebig darüber brüten, wie man welches Deck noch optimieren könnte.
Im ersten Morgengrauen kommt Sebastian herein, um das Frühstück vorzubereiten. Wir sitzen immer noch da, inzwischen nur noch zu dritt, aber jetzt ist es fast geschafft! Eine knappe Stunde später sind wir überzeugt, das Bestmögliche herausgeholt zu haben, und stärken uns zufrieden an Rührei und Brötchen.

Das Siegerteam sicherte sich die begehrten goldenen V-Cup-Münzen.

Das Siegerteam sicherte sich die begehrten goldenen V-Cup-Münzen.

Schließlich kommt die Stunde der Wahrheit: Das Turnier beginnt!
Petra und ich haben gleich ein Freilos und nutzen die Zeit für ein Testspiel. Ihr Alucard, Finsterer Nobelmann ruft für ein paar Züge nur Zaubersteine, während ich mit meinen Schwarzwald-Jägern, Werwölfen und Bahamut, Drachenkönig schon ein bisschen Schaden austeile. Doch dann bringt sie ihre starken Resonatoren, den Dämonen Mephistopheles, Tyrann des Abgrunds und den Chtulu Ältere Wesen heraus, und das Spiel ist nach ein paar Zügen entschieden.
In den folgenden zwei Runden wird es beide Male knapp: Wir können die Lebenspunkte unserer Gegner fast auf Null bringen, aber es reicht einfach nicht ganz und wir werden im letzten Moment überrannt. Dennoch machen die Spiele Spaß und bleiben bis zum Ende spannend, und wir sehen interessante Combos in den gegnerischen Decks, die Lust aufs Ausprobieren der anderen möglichen Strategien machen.

Gleich im Anschluss werden die besten Teams und stärksten Einzelspieler gekürt, und der Travel Award für die meisten zurückgelegten Kilometer wird vergeben. Unser Team konnte sich zwar nicht behaupten, sieht das Gewinnen aber sowieso nur als Sahnehäubchen auf einem gelungenen Wochenende. In die Freude und Jubelstimmung mischt sich aber auch ein bisschen Wehmut, dass der Volunteer-Cup schon wieder vorbei ist – das nächste Großevent kann für uns alle jedenfalls nicht schnell genug kommen, aber bis zum Arena-Cup Würzburg dauert es ja zum Glück nicht mehr lange!

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MyOrganizedPlay.de/Helfer

Karin Siehs

Karin Siehs

 

 

 

 

 

 

 

 

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