PKMSaisonrueckblick_header

Wieder einmal neigt sich eine Play! Pokémon-Saison dem Ende zu. Zeit, in der heutigen Ausgabe meiner Weekly Chapter-Kolumne noch einmal zurückzublicken, was sich seit dem letzten September so alles ereignet hat.

Expanded

Erstmals konnten sich die Spieler sich nicht nur im üblichen Standard-Format, sondern auch im alternativen Expanded-Format auf offiziellen Turnieren messen. Dabei sind auch einige Erweiterungen erlaubt, die ansonsten bereits rausrotiert sind, in diesem Falle alles ab Schwarz & Weiß.

League Challenges konnte wahlweise im Standard oder im Expanded angeboten werden. Und während Expanded in den USA vor allem am zweiten Spieltag vieler Regional Championships Bedeutung hatte, durften die europäischen Spieler eine ganz besondere Turnierserie in diesem Format bestreiten…

Arena-Cup

IMG_7022Die traditionelle Turnierserie, die exklusiv von AMIGO in Deutschland und Österreich angeboten wird, hat in dieser Saison noch einmal ordentlich zugelegt. Die vier Arena-Cups in Berlin, Bremen, Salzburg und Bochum wurden aufwändig organisiert und lockten zahlreiche Sammelkarten- und Videospieler an. Natürlich ist es damit noch nicht vorbei, denn der nächste Arena-Cup in Würzburg erwartet euch nur wenige Tage nach Beginn der nächsten Saison.

Einladungen zur Weltmeisterschaft

Noch nie war es so einfach wie diese Saison, eine Einladung zur Weltmeisterschaft zu erhalten. 300 Championship Points reichten aus (in den Seniors waren es sogar nur 250 und in den Juniors 200), doch wer mehr wollte, konnte versuchen, unter die bestplatzierten 22 Spieler in Europa zu kommen und damit sowohl einen Flug nach Boston gewinnen als auch den ersten Tag der dortigen Weltmeisterschaft überspringen. Dies war allerdings enorm schwierig und sorgte für verbissene Kämpfe gegen Ende der Saison.

European Challenge Cup

Bisher war der European Challenge Cup immer ein Turnier, bei dem es vor allem um die Herausforderung und das Prestige ging. In dieser Saison wurden die Preise jedoch massiv erhöht, insbesondere gab es Championship Points, die mit denen einer nationalen Meisterschaft vergleichbar waren. Deutschland zeigte sich dabei sehr erfolgreich – nachdem zahlreiche deutsche Spieler es in die Endrunden am zweiten Tag schafften, ging auch der Sieg zum insgesamt vierten Mal nach Deutschland.

Deutsch-Österreichische Meisterschaft

IMG_6167Für eine große Überraschung sorgte die Ankündigung, dass die Deutsche Meisterschaft nicht wie gewohnt in Bochum, sondern in Stuttgart stattfinden würde. Dies hatte den Grund, dass sie zusammen mit der Österreichischen Meisterschaft ausgetragen wurde. Videospieler durften unabhängig von ihrer Nationalität teilnehmen und erreichten dadurch Teilnehmerzahlen, die alle Erwartungen sprengten. Hervorzuheben war auch die offizielle Coverage mit Live-Stream, durch die Interessierte aus der ganzen Welt die Highlights des Events mitverfolgen konnten.

Metagame

Im Laufe der Saison veränderte sich das Format mehrmals. Yveltal blieb die ganze Zeit über ein solides Deck, das zwar nie wirklich die Spitze darstellte, aber sich auch zu keinem Zeitpunkt aus dem Metagame vertreiben ließ. Mit Fliegende Fäuste erschienen die ersten Kampf-Decks und drängten sich ein Metagame, bei dem noch Genesect und sein Counter Pyroar die wichtigste Rolle spielten. Auch Donphan erfreute sich alsbald großer Beliebtheit und wurde mit Phantomkräfte sogar noch wesentlich stärker, so dass es das ansonsten recht gute Mega Manectric im Zaum hielt. Decks mit Crobat und Night March hingegen konnten sich immer wieder überraschend gut behaupten, blühen aber erst jetzt wirklich auf.

Mit dem neuen Jahr kamen durch Protoschock dann Mega Gardevoir und das vorher zwar schon spielbare, aber kaum beachtete Metal-Deck zum Vorschein. Auch Flareon tauchte wieder auf, um ganz oben mitzukämpfen. Leider fuhr sich das Metagame im Frühling ziemlich schnell fest, denn das schon von Anfang der Saison an in vielen Decks gespielte Seismitoad hatte nun sein eigenes Deck und sorgte für ziemliche Frustration. Mit dem Erscheinen von Drachenleuchten wurde es durch Shaymin sogar noch schlimmer, weshalb schließlich die Wurzel des Übels, Lysandre’s Trump Card, als erste Karte seit vielen Jahren gebannt wurde. Dadurch konnte sich kürzlich auf der US-Meisterschaft seit langem mal wieder ein Deck behaupten, das auf ein gegnerisches Deckout spielt – Wailord überraschte viele Spieler, ohne ein einziges Mal anzugreifen. Nun sind wir gespannt, was die Weltmeisterschaft bringen wird.

Spielermeinungen

Zum Abschluss haben wir einige der erfolgreichsten deutschen und österreichischen Spieler dieser Saison gefragt, was ihrer Meinung nach die nun fast abgeschlossene Saison besonders geprägt hat.

Niklas Lehnert-Rappel (1195 CP, Europameister, Deutscher Vizemeister)


„Also generell find ich die Idee mit den Travel Awards für die konstantesten Spieler des Jahres optimal, aber Deutschland hat bei dem System halt klar den Kürzeren gezogen, obwohl wir in Europa eigentlich immer ganz oben stehen (siehe ECC Ergebnisse).

Die Arena-Cups waren dieses Jahr auch ziemlich gut. Vor allem durch Coverage und eine DM-ähnliche Atmosphäre hat es Spaß gemacht dort teilzunehmen.
Sonst hoffe ich einfach, dass dieses Jahr ein deutschsprachiger Spieler sehr weit bei der WM kommen wird!

Lukas Peer (1002 CP, Österreichischer Meister)


„Also was diese Saison für mich ausgemacht hat war auf jeden Fall das neue System, welches die besten Spieler belohnt. Leider ist es noch nicht ganz ausgereift, was man daran sehen kann, dass die Nationals immer noch einen (viel zu) großen Anteil daran haben, wie eine Saison eines Spielers ausgeht, aber prinzipiell finde ich, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Ich halte es für eindeutig sinnvoller die konstanten Spieler mit Travel-Awards auszustatten, als diejenigen, die einmal einen guten Lauf bei einem Turnier hatten.“

Luca Schuster (967 CP, Österreichischer Vizemeister)


„Mich hat eindeutig die Deutsch/Österreichische Meisterschaft und die Top22 Sructure am meisten geprägt und beeindruckt. Es war wunderschön, alle Leute auf einem riesigen, Nationalitäten übergreifenden Turnier zu sehen und tolle Matches auszutragen, das einzig Traurige war halt die sehr geringe Teilnehmeranzahl der Österreicher.“

David Hochmann (887 CP, Top 4 ECC, Finalist AC Bochum)


„Das System, dass Spieler belohnt werden, die eine gute Season hatten fand ich eigentlich ganz gut. Das Problem ist nur, dass man ohne Punkte von der WM und den Nationals im wahrsten Sinne keine Chance hat. Es wurden Leute belohnt, die eine gute Season hatten UND eine gute National. Es ist (von der Wahrscheinlichkeit her) unsinnig auf so viele Turniere zu fahren um genug Punkte zu holen, dass Top 4 oder Finale reicht für den Trip (wenn man jetzt nicht aus Österreich/Belgien kommt).

Was mir auch nicht gefallen hat ist, dass Äpfel mit Birnen verglichen worden sind. Also man nimmt die „besten Spieler“ EUROPAS, aber die wichtigsten Turniere sind für Länder exklusiv. Wenn man die besten Spieler des Landes nehmen würde, macht die Nationals Struktur mehr Sinn, aber nicht wenn man die Besten Europäer nimmt (man siehe Schweden und Frankreich). Zu dem kommt noch, dass manche Nationals Flüge als Preise hatten (Deutschland) und manche nicht (Österreich), man kann doch schon kommen sehen, dass wenn es am Anfang des Turnieres nur 2 Leute gibt, die den Flug bekommen, wenn sie gewinnen, und alle anderen bekommen fürs gewinnen ein paar Booster, dass es zu Preisabsprachen kommen wird (und so Sachen, wie Leute die Top 4 im live Stream verlieren, und dann das Finale gewinnen).

Ansonsten haben mir die Arena-Cups super gut gefallen, und ich würde mir wünschen, dass es in Zukunft weniger Tage mit 3 Regionals auf ein mal in Deutschland gibt und in der Woche davor und dannach gar keine.“

David Sturm (682 CP, Deutscher Meister)


„Die Turnier/CP Struktur ist mMn nicht gut, die besten Spieler belohnen ist schön und gut, aber ich finde es kostet momentan einfach ZUVIEL Aufwand, und dann hat man auf den Nats nen schlechten tag und alles war umsonst. Dazu kommt noch die viel zu späte Ankündigung. Ich würde gerne auf Punkte spielen, aber ich bin einfach nicht bereit jedes WE für 6 Monate auf 2 Turniere zu fahren. Und solange an den Nationals nichts geändert wird ist es sowieso ziemlich unfair. Ich fände es gut wenn man zB pro 100 CP ein Freilos kriegen würde oder so, so das jede Anzahl von CP etwas wert ist. Ich spiele gerne viel, aber habe nicht die Zeit auf T22 zu spielen, also spiel ich kaum, gammel iwo meine 300 Punkte und bin dann fertig mit der Saison. Das ist doch doof.

Vom spielerischen her ist es aber mMn wirklich besser geworden, und das LTC gebannt wurde ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen. Das Spiel macht wirklich wieder mehr Spaß, der war bei mir nach der WM 2014 nämlich ziemlich weg. Die letzten Sets finde ich ziemlich gut und was so in Aussicht ist sieht auch ok aus. Ich freu mich auf Giratina. Ich denke Rayquaza war etwas zuviel des guten, aber sonst sind die Sets seit FUF wirklich qualitativ besser. Es gibt Deckvielfalt und witzige Decks wie Hippowdon und Wailord. Ich erinnere mich nicht, wann ich das letzte mal bei einer erfolgreichen Karte nachlesen musste was sie tut, ziemlich cool.

Außerdem würde ich noch betonen wie toll es ist, dass wir jetzt soviele Streams haben, im Zeitalter von e-sports ein wirklich guter Schritt. Hätte ich vor 2 Jahren nicht für möglich gehalten. Selbst PTCGO ist langsam benutzbar, ich hab damit meiner Freundin Pokémon beigebracht und jetzt regen wir uns zusammen über Seismitoad auf. Achja, Nationals fand ich persönlich ziemlich gut. 😀

TLDR: CP Struktur braucht sehr viel Arbeit, das Spiel ist auf einem guten Wege, schaun wir mal wie es nächstes Jahr aussieht.“

Tobias Thesing

Tobias Thesing

Weitere Weekly Chapter Artikel: