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Die vielen offiziellen Turniere sind für Pokémon-Trainer ein gutes Argument, ihrem Hobby treu zu bleiben. Freunde treffen, sich mit anderen messen, tolle Preise gewinnen – es gibt viele Gründe, weshalb die Turniere im Sammelkarten- und Videospiel von Pokémon immer beliebter werden. Doch wie kam es zu diesem großen Angebot an Events?

Eine frühes Pokémon Organized Play Logo

Eine frühes Pokémon OP Logo

Play! Pokémon, wie wir es heute kennen, wurde 2003 unter dem Namen Pokémon Organized Play ins Leben gerufen. Damals übernahm die TPCi (The Pokémon Company international, ehemals Pokémon USA Inc.) international die Organisation des Turnierprogramms von Wizards the Coast und sorgte für einen stetigen Aufwärtstrend. In Deutschland kümmerte sich auch damals schon AMIGO um die Betreuung offizieller Events.

Auf lokaler Ebene gab es damit zahlreiche Pokémon-Ligen, die ähnlich wie heute abliefen, und Prerelease-Turniere zu jeder neu erschienenen Erweiterung – allerdings für lange Zeit nur auf Englisch.

Die erste Deutsche Meisterschaft im Play! Pokémon-Programm fand 2004 statt, damals noch in überschaubarer Runde mit weniger als 100 Spielern. Die internationalen Stadium Challenges boten eine alternative Möglichkeit, den begehrten Flug zur Weltmeisterschaft zu gewinnen. Davon abgesehen wurden in Deutschland allerdings lediglich City Championships als Premier Events angeboten.

So wurde die DM mal beworben!

So wurden mal die Meisterschaften beworben!

Um dieses für viele Spieler etwas magere Angebot aufzubessern, organisierten engagierte Schiedsrichter aus der Community besondere Turniere, die für damalige Verhältnisse durchaus stolze Spielerzahlen erreichten. Die wohl herausragendste Serie war die 2005 ins Leben gerufene Westfalen-Challenge in Nordrhein-Westfalen. Im Süden hingegen konnte unter anderem der Schwabenfight die Spieler motivieren.

Im Frühling 2006 gab es dann endlich richtige Regional Championships in Deutschland. Ähnlich wie heute wurden sie in ausgewählten Städten ausgetragen und lockten mit einem erhöhten Preissupport. Weiterhin kam in diesem Jahr auch der Professor Cup, ein Belohnungsturnier für alle, die sich auf Turnieren als Schiedsrichter engagieren, erstmals nach Europa.

Ein Jahr später – 2007 – wurden die Regional Championships dann vorübergehend in State Championships umbenannt, um der gleichnamigen Turnierserie in den USA besser zu entsprechen. Außerdem hatten auch die Battle Roads ihr Debüt – lokal gehaltene Turniere, bei denen die Sieger besondere Promokarten gewinnen konnten. In der neuen Saison 2007-2008 gab es dann erstmals die realistische Möglichkeit, sich über die Europa-Rangliste für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Dazu wurde das sogenannte ELO-Rating verwendet, in dem alle Matches auf Premier Events gewertet wurden.

Das alte Logo der Pokémon Liga

Das alte Logo der Pokémon Liga

Den größten Meilenstein für die Deutsche Meisterschaft stellte das Jahr 2008 dar. Eine aufwändige Werbekampagne und zusätzliche von AMIGO gesponserte Flüge zur Weltmeisterschaft ließen die Spielerzahlen geradezu explodieren. Fast 300 Teilnehmer, relativ gleichmäßig auf die drei Altersgruppen verteilt, kämpften an diesem Tag bis spät in die Nacht.

Dies konnte im Folgejahr sogar noch getoppt werden – mit 351 Spielern hielt die erstmals zweitägige Deutsche Meisterschaft 2009 für längere Zeit den Teilnehmerrekord in Europa. Auch die Österreichische Staatsmeisterschaft machte in diesem Jahr mit weit über 100 Spielern, darunter sehr viele Seniors, auf sich aufmerksam.

Parallel dazu wurden im Jahr 2009 auch erstmals die Video Game Championships veranstaltet. Nachdem im Vorjahr am Video Game Showdown nur Japan und die USA teilnehmen durften, gab es jetzt auch für Europa die Möglichkeit, sich mit den besten Trainern der Welt zu messen.

Die Saison 2010-2011 brachte beim Sammelkartenspiel vor allem Community-Events auf eine ganz neue Ebene. Der ehemalige Benelux Cup wurde zum European Challenge Cup, einem bis heute jährlich gut besuchten und prestigeträchtigen Großevent in den Niederlanden, das von vielen Spielern auch als Europameisterschaft angesehen wird. Vier der fünf bisherigen Sieger in der Masters Division des ECC kommen übrigens aus Deutschland.

Alte und neue Logos der Battle Roads

Alte und neue Logos der Battle Roads

Der etwas kleinere European Prague Cup wurde in der gleichnamigen Stadt angeboten und lockte ebenfalls zahlreiche Spieler an, allerdings nur zwei mal. Ab 2011 startete AMIGO exklusiv in Deutschland die Arena-Cups, die sich inzwischen von „City Championships im Sommer“ zu angesehenen Großturnieren entwickelt haben. Auch der PokéCup, ein Teamturnier als Side Event der Deutschen Meisterschaft, wurde zum ersten Mal in seiner heutigen Form ausgetragen.

Die neue Saison 2011-2012 ersetzte das ELO-Rating zur Weltmeisterschaftsqualifikation durch sogenannte Championship Points, die für gute Platzierungen auf Turnieren vergeben wurden. Zudem machte vor allem die Online-Coverage bei Turnieren große Fortschritte. Auch hier zeigte sich Deutschland mit offizieller Live-Berichterstattung der Meisterschaften und anderer Großturniere als Vorreiter in Europa.

Eine große Änderung machte Play! Pokémon 2013 durch. Die Video Game Championships wurden nun nach Vorbild des Sammelkarten-Turnierprogramms im Schweizer System und wesentlich professioneller durchgeführt – allerdings zu dem hohen Preis, dass sie seitdem gleichzeitig mit den Sammelkarten-Meisterschaften stattfinden, wodurch viele eingefleischte Pokémon-Fans sich für ein Spiel entscheiden müssen.

Die Battle Roads verabschiedeten sich und machten und Platz für die ähnlich aufgebauten, aber über das ganze Jahr verteilten League Challenges. Dazu gab es neben einigen Regeländerungen auch massive Umstellungen bei der Durchführung von größeren Turnieren. Vorrunden werden nun „best-of-three“ anstatt „best-of-one“ gespielt, Unentschieden ist dabei möglich und der Top Cut im KO-System ist jetzt auf maximal acht Spieler beschränkt.

Nun haben wir schon 2015. Ein neues Invite-System für die Weltmeisterschaft wird getestet und hat vor allem auf Europa interessante Auswirkungen. Online-Coverage ist so präsent wie noch nie, nicht nur von offizieller Seite, sondern auch von Spieler- und Schiedsrichtergruppen. In wenigen Wochen gipfelt eine ereignisreiche Turniersaison in der ersten Deutsch-Österreichischen Meisterschaft in Stuttgart. Doch damit ist die Saison noch lange nicht zu Ende – bevor die qualifizierten Spieler letztendlich zum ultimativen Ziel jedes Pokémon-Trainers aufmachen und an der Weltmeisterschaft in Boston teilnehmen, wartet in Bochum der krönende Abschluss der vier neuen Arena-Cups.

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