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Schon vor seiner Zeit als Mitglied der AMIGO Volunteer Community war Tobias Thesing lange als Spieler im Pokémon Sammelkarten- und Videospiel aktiv. Viele kennen ihn von seinen guten Platzierungen auf der Deutschen Meisterschaft oder als Mentor in Koblenz, ebenso gehört er zu den Gründungsmitgliedern im Redaktionsteam des Organized Player Magazins. Inzwischen hat er es in die Hall of Fame geschafft – Grund genug ihm einige Fragen zu stellen …

Hey Tobias! Kannst du dich einmal kurz vorstellen?

Hallo! Mein Name ist Tobias Thesing, ich bin inzwischen stolze 28 Jahre alt, wohne in Koblenz und studiere dort Informatik bzw. Web Science im Masterstudiengang. Aufgewachsen und zur Schule gegangen bin ich übrigens in der Nähe von Bad Kreuznach. Im Alter von 13 Jahren bin ich durch meinen Cousin auf Pokémon gestoßen, was bis heute eines meiner wichtigsten Hobbies ist.

Welche Hobbies hast du neben dem Pokemon-Sammelkartenspiel?

Die meisten meiner Hobbies sind tatsächlich irgendwie damit verwandt. Ich spiele verschiedene Video- und Computerspiele, unter anderem natürlich Pokémon, aber auch reine Online-Spiele wie „League of Legends“. Daneben bin ich ein Fan von Gesellschaftsspielen und einigen anderen Sammelkartenspielen, das bekannteste davon neben Pokémon dürfte wohl „Magic: The Gathering“ sein, aber es sind auch eher ausgefallenere Sachen wie „Summoner Wars“ dabei. Für meine Hobbies engagiere ich mich auch im Internet, beispielsweise bin ich seit vielen Jahren im BisaBoard, dem größten Pokémon-Fanforum Deutschlands, tätig und kenne dort dank verschiedenen Pokémon-Events und Forentreffen sogar viele Mitglieder und Teamkollegen persönlich.

Die meisten kennen dich nicht nur als Writer für AMIGO, sondern vor allem als erfolgreichen Spieler des Pokémon Sammelkartenspiels. Was waren denn bisher deine größten Erfolge?

Tobias beim PokéCup 2014

Tobias im Siegerteam des PokéCup 2014

In den Jahren 2008, 2009 und 2011 wurde ich Deutscher Vizemeister, jeweils mit eigenen Decks, die ansonsten auf der Deutschen Meisterschaft fast gar nicht gespielt wurden. Bisher konnte ich mich sieben mal für die Weltmeisterschaft qualifizieren und habe sechs mal auch teilgenommen. Dabei habe ich oft nur sehr knapp die Tops verpasst. Zudem habe ich auch schon einen Professor Cup und ein paar Regionals gewonnen und war in der aktuellen Saison bei vielen Großturnieren – wie dem Arena-Cup Berlin und dem European Challenge Cup – vorne mit dabei.

Wie kam es überhaupt dazu, dass du mit dem Sammelkartenspiel angefangen hast?

Angefangen habe ich mit dem Pokémon-Videospiel, wo ich mich auch besonders für Kämpfe gegen andere Spieler interessiert habe, allerdings gab es dafür damals noch keine offiziellen Turniere. Für das Sammelkartenspiel kannte ich zwar die Regeln und hatte mir in meiner Schulzeit auch mal ein Themendeck und ein paar Booster gekauft, aber es dann irgendwie nicht mehr weiter verfolgt. Ein Kumpel hat mich dann Ende 2004 auf ein Prerelease in Dortmund mitgeschleppt, und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich noch weitere Turniere spielen wollte. Irgendwann war ich dann regelmäßig mit dabei. Da es zu dem Zeitpunkt in Koblenz oder in der Nähe keine Liga oder offizielle Turniere gab, spielte ich vor allem in Nordrhein-Westfalen.

Wann hast du das erste mal gemerkt, dass du ein erfolgreicher Turnierspieler werden willst?

Auch wenn ich vorher schon das eine oder andere kleine Turnier gewonnnen hatte, konnte ich meinen Durchbruch in der Saison 2007-2008 erreichen. Dort bin ich zu zahlreichen Turnieren gefahren und habe auch meistens sehr gut abgeschnitten. Die Saison über habe ich viel mit David Sturm und Björn Reinsdorf geübt und Decks getestet, und am Ende sind wir dann dank der von AMIGO gesponsorten zusätzlichen Flüge auf der Deutschen Meisterschaft auch gemeinsam zur Weltmeisterschaft geflogen.

Was muss man machen, um als Spieler erfolgreich zu sein?

Für mich persönlich sind Erfahrung und logisches Denken am wichtigsten. Dazu zählt einerseits, Standardsituationen zu kennen und runterspielen zu können, aber andererseits auch Spielzüge zu bringen, die der Gegner nicht erwartet. Im aktuellen Format ist es zudem auch hilfreich, Risiken und Wahrscheinlichkeiten gut abzuschätzen. Wer noch nicht so lange spielt, um genug Erfahrung zu besitzen, kann inzwischen auf die zahlreichen Guides, Deck Features und Praxisvideos im Internet zurückgreifen. Mit der Online-Version des Pokémon-Sammelkartenspiels gibt es daneben eine gute Möglichkeit, Decks und Spieltaktiken auch außerhalb von Turnieren gegen eine Vielzahl von Gegnern zu testen.

Welche weiteren Ziele hast du als Spieler?

Die wichtigsten Ziele sind für mich eigentlich immer die, an denen ich schonmal knapp gescheitert bin – einfach weil ich weiß, dass sie ich erreichen kann und mir nur im entscheidenden Moment das nötige Glück gefehlt hat. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt, Deutscher Meister zu werden, denn eigentlich war ich mit dem zweiten Platz immer sehr zufrieden. Viel eher möchte ich versuchen, mal die Top 32 auf einer Weltmeisterschaft zu erreichen oder ein größeres Special Premier Event zu gewinnen.

Tobias im Coverage Team auf dem Arena-Cup Bremen

Tobias im Coverage Team auf dem Arena-Cup Bremen

Wie kam es dazu, dass du „die Seiten gewechselt“ hast und dich auch als Staff engagierst?

„Die Seiten gewechselt“ klingt jetzt so, als wären das irgendwie Gegensätze, aber das sehe ich eigentlich gerade andersrum. Als Staff mitzuarbeiten ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit, sich für das Spiel zu engagieren. Inzwischen habe ich gemerkt, dass meine Erfahrungen als Spieler auf hohem Level mir nicht nur als Judge, sondern vor allem auch als Writer sehr weiterhelfen. Beispielsweise kann ich dadurch bei Rulings die Sicht der Spieler besser nachvollziehen oder in einer Coverage zu Themen wie Metagame-Analysen eine Menge Hintergrundwissen einbringen. Mir macht es auch viel Spaß, in einem Team auf einem Turnier mitzuhelfen, selbst wenn es manchmal ziemlich anstregend sein kann, dort bis spät abends zu arbeiten. Gerne würde ich dies auch öfter tun, nur ist es ja leider nicht möglich, gleichzeitig zu spielen und als Staff mitzuwirken. Daher muss ich oft für mich selbst Kompromisse eingehen, aber es ist und bleibt mir allgemein wichtig, das Spiel von allen Seiten zu erleben und zu verstehen.

Was macht dir an deiner Arbeit als Writer besonders viel Spaß?

Es ist einfach eine Aufgabe, die nie langweilig wird. Im Endeffekt geht es darum, die Geschehnisse des Turniers den Leuten, die nicht dabei sind, so spannend wie möglich nahe zu bringen. Dazu zählen unter anderem Deck- und Metagame-Analysen, Interviews mit Spielern und die Auswahl vielversprechender Feature Matches. Der interessante Grundstoff, mit dem ich dabei arbeite, die künstlerische Freiheit, ihn in den verschiedensten Formen zu präsentieren, und die Möglichkeit, einen nachhaltigen Bericht über ein großartiges Event zu erstellen, machen die Arbeit als Writer für mich zu meiner Lieblingsposition in einem Staff Team.

Gibt es eine ganz bestimmte Position auf einem Turnier, die du gerne einmal auskleiden würdest, auf der du dich bisher aber noch nicht ausprobieren durftest?

Da ich schon vielfach sowohl als Judge als auch als Writer täter war, habe ich das meiste was mich wirklich interessiert auch schon gemacht. An sich würde ich mich vielleicht irgendwann mal als Headjugde auf einem Großturnier versuchen wollen. Aber solange ich selbst noch so oft aktiv mitspiele, sind solche Positionen mit Leuten, die sich komplett dem Judging widmen, deutlich besser besetzt.

Was bedeutet dir den Einzug in die Hall of Fame?

Natürlich bin ich stolz, es als Volunteer so weit gebracht zu haben, obwohl ich auf vielen Turnieren immer noch lieber selbst mitspiele. Daher freue ich mich, dass AMIGO jedem Volunteer zahlreiche vielschiedene Möglichkeiten bietet, sich für Pokémon und andere Spiele des Verlags zu engagieren, ohne dabei auf das Mitspielen bei wichtigen Turnieren komplett verzichten zu müssen. An dieser Stelle möchte ich dir (Dennis Jenz) als meinem Mentor im Bereich der Coverage und Marcos Marin-Galiano als meinem Mentor im Bereich des Judgings danken. Denn vieles, das meine Arbeit auf Turnieren ausmacht, habe ich von euch gelernt. Ebenso danke ich auch AMIGO für die großzügige Unterstützung der Volunteer-Community und freue mich auf den kommenden Volunteer Cup.

Vielen Dank für das Interview!

Dies ist vorerst Dennis Jenz‘ letzte Kolumne im Weekly Chapter, im Mai startet Phillip Rospenda als Neuzugang im Redaktionsteam an dieser Stelle seine Kolumne. Vielen Dank an Dennis für seine tatkräftige Unterstützung seit Gründung des Redaktionsteams, wodurch er seit 2014 Mitglied der Hall of Fame ist. Sein Interview findet ihr hier.

Dennis Jenz

Dennis Jenz


 
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