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Der Pokémon-Veteran Marcos Marin-Galiano gilt als der erfahrenste deutsche Judge im Pokémon Sammelkartenspiel. Er hat an zahlreichen Deutschen Meisterschaften in leitender Funktion mitgewirkt, während er die Saison über das Organized Play in Nordrhein-Westfalen betreut. Nun vertritt er außerdem die zahlreichen anderen Helfer im Board of Volunteers bei AMIGO. Zu diesem Anlass haben wir Marcos nun ein paar Fragen gestellt.

Hallo Marcos, stell dich doch bitte einmal kurz vor!
Marcos: Ich bin Marcos Marin-Galiano, komme aus Dortmund, bin 38 Jahre alt und arbeite als Datenanalyst in der klinischen Forschung.

Marcos als Judge Lead 2013

Marcos als Judge-Lead auf der Deutschen Pokémon Meisterschaft 2013

Wann und wie bist du zur Volunteer Community gekommen?
Marcos: Grundsätzlich gehöre ich zum „Altbestand“, der schon für AMIGO auf Events gearbeitet hat, bevor es so etwas wie eine Volunteer Community gab. Darüber hinaus habe ich schon immer lokal Turniere betreut und war auch Mitbegründer von pop-rhein-ruhr.de, einer Plattform und Gruppe, die in NRW den Läden dabei hilft, ihre Pokémon-Turniere in einer möglichst hohen Qualität über die Bühne zu bringen. Insofern war es natürlich ein logischer Schritt, dass ich beim Start der Volunteer Community von Anfang an mit dabei bin.

Du warst also als Judge auf Pokémon-Turnieren tätig, lange bevor AMIGO im heutigen Sinne Volunteers engagiert hat. Wo siehst du für das Pokémon-Sammelkartenspiel die Vorteile einer organisierten Volunteer Community?
Marcos: Eine organisierte Volunteer Community hat den Vorteil, dass die Leute nicht alle nur lokal vor sich hinwurschteln, sondern sich auch bezüglich ihrer Erfahrungen und Ideen austauschen können. Insbesondere bei Regelauslegungen ist es ja durchaus von Vorteil, wenn die Schiedsrichter in Deutschland und Österreich möglichst konsistent entscheiden. Dazu muss man diese aber zusammenbringen und das geht in einer organisierten Struktur natürlich viel besser.

Welche Aufgaben und Erlebnisse bei deiner Arbeit als Volunteer haben dir besonders Spaß gemacht?
Marcos: Spaß macht es immer dann, wenn auch die Spieler Spaß haben. Natürlich ist man gerade als Schiedsrichter nicht immer die große Spaßkanone, insbesondere dann, wenn man dann halt doch mal ein paar unpopuläre Entscheidungen treffen muss. Solange ich aber am Ende des Tages sagen kann, dass ich dazu beigetragen habe, den Spielern ein qualitativ hochwertiges Turnier zu geben, bin ich zufrieden. Und natürlich macht es am meisten Spaß, den Juniors zuzuschauen, die zwar noch so jung sind, aber teilweise schon taktieren wie die Großen (und das meistens deutlich schneller…).

Was ist deine Aufgabe als Mitglied des Board of Volunteers?
Marcos: Im Board of Volunteer bin ich für den Bereich „Judging Pokémon“ zuständig. Das bedeutet, dass ich z.B. meinen Senf zum Thema Schiedsrichter-Entwicklung dazugebe, insbesondere natürlich auch Vorschläge für Leute mache, die sich für eine höhere Position wie z.B. Head Judge qualifiziert haben. Und natürlich kommen von mir auch Vorschläge zum operativen Ablauf von Turnieren.

Was können wir uns unter einem Board Meeting vorstellen?
Marcos: Najo, es ist im Prinzip wie ein Arbeitsmeeting in einer großen Firma. Es gibt eine Agenda mit Tagesordnungspunkten und diese werden abgearbeitet, für und wider werden diskutiert und zum Schluss werden Entscheidungen getroffen.

Zum 10-jährigen Dienstjubiläum gab es ein besonderes Dankeschön!

Zum 10-jährigen Dienstjubiläum gab es im letzten Jahr ein besonderes Dankeschön!

Wo siehst du deine besonderen Stärken im Bezug auf deine neue Position im Board of Volunteers?
Marcos: Ich bringe einen großen Erfahrungsschatz im Organisieren und Judgen von Turnieren mit, z.B. bei den Regionals in NRW, die traditionell mit zu den größten in Deutschland gehören. Und natürlich habe ich auch einiges an internatioale Erfahrung und gehöre seit Jahren zum Team für die inoffizielle Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft, wobei ich es bei letzterer bis zum Head Judge gebracht habe. Insofern habe ich schon viel gesehen, vieles, was gut funktioniert hat, aber auch vieles, was nicht funktioniert hat. Und diese Erfahrung kann ich natürlich wunderbar einbringen.

Bei einem deiner letzten Einsätze hast du den Arena-Cup in Berlin als Head Judge geleitet. Was war dabei die größte Herausforderung?
Marcos: Die größte Herausforderung war sicherlich, dass es sich hierbei um ein völlig neues Turnierkonzept gehandelt hat, das in Teilen anderes aufgebaut war als z.B. die DM. Daher sind natürlich auch einige Arbeitsabläufe anders und müssen sich erst einmal finden. Außerdem ist es immer eine Herausforderung, in einem neuen Veranstaltungsort zu arbeiten, weil jede Location ihre Eigenheiten hat und damit eine andere Vorgehensweise erfordert.

Welche wichtigen Erfahrungen kann ein Judge deiner Meinung nach auf einem großen Event wie dem Arena-Cup sammeln?
Marcos: Da gibt es mehrere Sachen. Natürlich ist es immer gut, wenn man sich ab und zu mal selbst ins kalte Wasser wirft und neue Sachen macht. Wenn man immer in der gleichen Location mit dem selben Team arbeitet, schleift sich das irgendwann ein und man lernt nichts mehr dazu. Wenn man aber mit anderen Leuten und unbekannten Gegebenheiten arbeiten muss, kann man eine Menge in puncto Organisation, Flexibilität, Problemlösung oder Teamwork lernen.

Gibt es etwas, das du in deiner Karriere noch erreichen möchtest?
Marcos: Ich würde gerne noch als Judge mit dabei sein, wenn sich die TPCi dann doch irgendwann mal dazu aufraffen kann, eine Weltmeisterschaft in Europa stattfinden zu lassen.

Möchtest du den anderen Volunteers und Lesern, die es vielleicht einmal werden wollen, noch etwas mitteilen?
Marcos: Allen, die noch am Überlegen sind, möchte ich ein Zitat von Mark Twain mitgeben: „Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do.“ oder auf deutsch: „In 20 Jahren wirst du die Dinge, die Du nicht getan hast, mehr bedauern, als die, die du getan hast.“

Vielen Dank für das Interview!