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Mehr als 6000 verschiedene Karten umfasst das Yu-Gi-Oh! TCG mittlerweile, und mit jeder weiteren Edition kommen neue hinzu. Damit den Machern, trotz dieser riesigen Anzahl, nicht die Ideen ausgehen, wenden sie oft ein Verfahren an, welches auch in Film, Fernsehen und der Kunst häufig Anwendung findet: Sie lassen sich von bestehenden Quellen inspirieren. So dienen beispielsweise längst untergegangene Kulturen als Vorlagen für neue Ideen, wie etwa das alte Ägypten zur Zeit der Pharaonen oder das antike Griechenland. Ja selbst Luftströmungen oder Edelsteine dienten bereits als Ausgangspunkt für ganze Subtypen – als Schwarzflügel und Kristallungeheuer kennt man sie in Kartenform. Da das Yu-Gi-Oh! TCG seinen Ursprung in Japan hat, ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele Karten auch der Mythologie, Religion und Geschichte dieses Landes entspringen. Aktuell trifft dies auch auf die Bujin-Monster aus Judgment of the Light zu. Welche Geschichte sich hinter diesem neuen Subtypus verbirgt, das soll das Thema dieses Beitrages sein.

Vom göttlichen Krieger und einem Schrein

„Bujin“ bedeutet so viel, wie göttlicher Krieger. So bezeichnete man Toshitsugu Takamatsu, den Großmeister der neun japanischen Kampfkunstschulen, nach seinem Tode im Jahr 1972. Nach ihm benannt ist auch die Kampfkunst Bujinkan Budo Taijutsu, welche versucht, die Lehren aller neun Schulen in sich zu vereinen. Hier spannt sich auch schon ein erster Bogen zur Vielseitigkeit, die die Bujin-Monster in ihren Effekten aufweisen.
Beliebt sind zudem Überschneidungen mehrerer Hintergrundgeschichten. Deshalb wurde bei den Bujins gleich noch der Isonokami-jingu mit eingewoben. Dabei handelt es sich um einen Shinto-Schrein (Shintoismus ist eine fast ausschließlich in Japan praktizierte Religion) in der Stadt Tenri, in der Präfektur Nara. Er besitzt die älteste Gebetshalle Japans. Hauptgegenstand des Schreins ist das Schwert Futsu-no-mitama-no-tsurugi. Der Legende nach erschlug Susanoo, Kami (Naturgeist) des Windes und Meeres, damit den Drachen Yamato-no-Orochi. Susanoo selbst stand Pate für das Xyz-Monster des Bujin-Themas: Er manifestiert sich in Bujintei Susanowo, ist zudem die fertig ausgerüstete Variante der Karte Bujin Yamato.
Letztere wiederum basiert auf der in Japan sehr bekannten Persönlichkeit Yamato Takeru, einem legendären Prinzen der Yamato-Dynastie und Sohn von Keiko, dem 12. Kaiser von Japan. Im Schrein Isonokami-jingu sollen etwa im Jahre 93 v. Chr. zudem zehn Schätze (die Tokusa-no-Kandakara) eingelagert gewesen sein, die ursprünglich aus dem Besitz von Amaterasu (Sonnengöttin, wichtigster Kami des Shintoismus und Schwester von Susanoo) stammen sollen. Zehn Schätze und zehn Bujin-Effektmonster, welche auf zwei Sets verteilt wurden – das klingt einleuchtend. Fünf davon sind in Judgment of the Light enthalten und auf diese wollen wir nun einen genaueren Blick werfen.

Fünf legendäre Schätze

Bujingi Quilin hat beispielsweise eine Schwertklinge als Kopf und passend dazu einen offensiven Effekt, der ein gegnerisches Monster zerstören kann. Als Vorbild diente das legendäre Schwert Kusanagi, welches Susanoo aus einem der Schweife des besiegten Drachen Yamato-no-Orochi fertigte. Später gelangte es in den Besitz von Yamato Takeru, der es umtaufte in den Namen Kusanagi-no-Tsurugi (das „Gras schneidende Schwert“). Auf dem Rücken von Bujingi Schildkröte hingegen ist unschwer ein Spiegel zu erkennen. Gemeint ist damit wohl der Hetsukagami („Spiegel der Küste“). Die mit einem Spiegel versehene Schildkröte, ein an Küsten anzutreffendes Tier, macht dieser Erklärung plausibel. Ganz stilecht kann sie andere Bujins vor gegnerischen Effekten schützen – diese reflektieren. Das Tarutama, oder auch „Juwel des Überflusses“, gehört ebenfalls zu den Tokusa-no-Kandakara und manifestiert sich wohl in der Karte Bujingi Wolf. Die vielen Edelsteine auf dessen Rüstung sind ein Indiz dafür. Außerdem heißt die Karte im japanischen Original Bujingi Taruta, was den Rückschluss auf das Tarutama sogar noch bekräftigt. Susanoos Drachentöter-Schwert erhielt natürlich ebenfalls einen eigenen Auftritt als Karte. Das Schwert hat viele Namen. Einige davon, wie etwa Ame-no-Habakiri („Schwerer Flügelschlag“) oder Ame-no-Ohabari („Schweiffedern des Himmels“), legen offensichtlich nahe, was auch umgesetzt wurde: nämlich dem Artwork der darauf Bezug nehmenden Karte, Bujingi Kranich, ein Wesen in Vogelgestalt zu verpassen. Ebenfalls geflügelt, aber eher schlangenförmig, präsentiert sich Bujingi Ophidian. Dieses Monster basiert auf einem weiteren der zehn Schätze: dem Orochi-no-Hire – einem Halstuch, welches Schlangen abstößt. Angeblich soll es nicht nur Schlangen verjagen und von diesen verursachte Wunde heilen, sondern seinem Träger auch die Fähigkeiten einer Schlange verleihen – wie etwa der Angriff aus dem Hinterhalt. Die Fähigkeit von Bujingi Ophidian, andere Bujins direkt angreifen zu lassen, passt da gut ins Bild.

Alles vereint im Xyz

Soviel zu den ersten fünf Bujins, welche den zehn Tokusa-na-Kandakara zuzuordnen sind. Alle fünf erstrahlen zudem einheitlich in leuchtend gelben Farben. Fünf weitere Bujins sind im nächsten Set Shadow Specters zu finden. Diese werden dann in leuchtendem Blau gehalten sein. Die ebenfalls in Judgment of the Light enthaltene Karte Bujingi Warge, welche das Gegenstück zu Bujingi Wolf darstellt, passt mythologisch übrigens nicht ins Bild. Bei ihr handelt es sich um eine exklusive Karte, die dem Set für die Veröffentlichung in westlichen Gefilden hinzugefügt wurde. Ein abschließender Blick wird noch einmal Bujintei Susanowo zuteil: Dieser ist, wie eingangs erwähnt, Bujin Yamato, ausgerüstet mit den ersten fünf Schätzen: Bujingi Ophidian formt seine Flügel, Bujingi Kranich und Bujingi Quilin die Schwerter in seiner linken und rechten Hand, Bujingi Schildkröte wird zu seiner linken Schulterpanzerung und Bujingi Wolf schützt seine Arme und Beine, fungiert außerdem als sein Helm. Die Ankleidung wurde mit der Zauberkarte Aufstieg des Bujins speziell in Szene gesetzt, welche zudem eine vereinfachte Variante darstellt, um Bujintei Susanowo schnell aufs Spielfeld zu beordern. Der Kreislauf schließt sich mit der Fallenkarte Bujinfidel, auf welcher er seine Panzerung wieder einbüßt.