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Wer schon mal auf einem großen Turnier war oder sich darüber im Vor- oder Nachhinein online informiert hat, hat sicherlich schon mal von einer Coverage gehört: Das ist eine Berichterstattung vom Turnier. Doch was steckt da eigentlich alles dahinter, welcher Aufwand wird betrieben? In diesem Artikel möchten wir einmal hinter die Kulissen einer Coverage blicken.

Vor dem Event

Die Arbeit für die Mitarbeiter der Coverage geht bereits vor dem eigentlichen Turnier los. Zunächst ist es wichtig, die technischen Möglichkeiten auszuloten und zu prüfen. Relevant ist dabei zunächst die Frage, wo (also auf welcher Website) die Berichterstattung veröffentlicht werden soll. Je nachdem, wie dort gearbeitet wird, muss man sich entsprechend informieren und arbeiten. Meistens sind geringe Grundkenntnisse in HMTL aber völlig ausreichend. Trotzdem ist es wichtig, sich im Vorfeld mit der Website vertraut zu machen und ein wenig auszuprobieren, um vorhersehbare Probleme nicht erst auf dem eigentlichen Event zu entdecken.

Coverage-Lexikon
Feature Match: Eine Art Spielbericht, in dem Ihr ein besonderes Duell Zug für Zug nachlesen könnt.

Deck Feature: Außergewöhnliche Decks stellen wir vor, erklären die Strategie und porträtieren den Spieler.

Metagameanalyse: Welche Decks aktuell gespielt werden, beschreibt der Begriff „Metagame“.

Kurz nachgehakt: Mini-Interviews mit verschiedenen Spielern zu einem aktuellen Thema.

Das wichtigste Utensil zur Erstellung einer Coverage ist ein mobiler Computer, der zweckmäßig gut ausgestattet sein sollte. Dies betrifft nicht nur die technischen Details wie Akkulaufzeit, einen guten W-LAN-Empfang und notwendige Anschlüsse wie z.B. USB, sondern insbesondere auch die aufgespielte Software. Diese muss bereits vor dem Event installiert und getestet werden. Für Feature Matches haben sich Textverarbeitungsprogramme als am geeignetsten herausgestellt, die über eine sogenannten „Ersetzungsfunktion“ verfügen: Man kann in das Programm eine Liste einspeisen, die Abkürzungen durch ausgeschriebene Worte ersetzt. Ein Beispiel aus dem Yu-Gi-Oh! TCG: Man gibt „raioh“ in das Programm ein und das Programm schreibt dann stattdessen Donnerkönig Rai-Oh. Das kann das Mitschreiben deutlich vereinfachen und sorgt für ein einheitliches Aussehen. Man kann auch oft wiederkehrende Spielaktionen abkürzen: So wird aus „d1“ bei uns „zieht eine Karte“.

Abhängig davon, was man benutzen will, sollte man sich bereits im Vorfeld auch mit einer Kamera, Mikrofonen und zugehörigen Dateiformaten beschäftigen. Wichtig ist hierbei, auf die Bild- und Tonqualität, aber auch auf die Dateigrößen zu achten, damit man die Dateien auch schnell verfügbar machen kann. Wenn man die benötigte Hardware selber nicht besitzt, muss man eventuell beim Turnierveranstalter oder bei befreundeten Spielern und Schiedsrichtern nachfragen, ob sie einem vielleicht etwas leihen können.
Im Einklang damit sollte man sich Gedanken zum Layout von Artikeln machen, damit während des Events keine weitere Zeit verloren geht. Außerdem soll die Coverage am Ende ja auch möglichst einheitlich und „wie aus einem Guss“ aussehen. Vor allem, wenn man nicht alleine, sondern im Team arbeitet, ist es unerlässlich, hier entsprechende Absprachen zu treffen. Es kann auch sein, dass der Betreiber der Website entsprechende Vorgaben hat, die man als Schreiber zu befolgen hat.
Abschließend ist es empfehlenswert, sich einen „Master-Plan“ zu machen: Wie soll das Event dargestellt werden? Welche Inhalte will ich wann anfertigen und wann veröffentlichen? Was wollen die Spieler lesen? In Absprache mit dem Turnierveranstalter und möglicherweise weiteren Coverage-Mitarbeitern kann man diese Fragen schon vor dem Turnier klären und so den Ablauf reibungslos gestalten.

Beim Event

Ist man früh morgens in der Eventhalle angekommen, muss natürlich zuerst alles aufgebaut und verkabelt werden. Habe ich genug Steckdosen? Funktioniert das Internet?
Doch schon während der Anmeldung der Spieler geht für einen Coverage-Redakteur die Arbeit los. Meistens sichten wir schon jetzt die Decklisten der Spieler, um Kandidaten für ein Feature Match oder Deck Feature auswählen zu können. Ganz nebenbei entsteht so auch gleich die beliebte Metagameanalyse. An dieser Stelle wird der „Master-Plan“ mit ganz konkreten Fakten bestückt: Wo vorher nur „3 Deck Features“ standen, stehen jetzt konkrete Namen. Im Laufe des Turniers müssen die Spieler dann aufgespürt, interviewt und fotografiert werden.
Ganz nebenbei schnappt man sich dann noch – wenn es denn auf dem Plan steht – die Spielpaarungen und sucht schnell eine Partie für das kommende Feature Match aus. Hier muss die Zusammenarbeit mit dem Admin stimmen. Während die Spieler dann zum Side Deck greifen, nehmen wir uns eine Kamera und machen schnell noch ein paar Fotos von der Runde, die wir dann als Galerie hochladen können.

Während man im Feature Match neben den Spielern sitzt und ihre Züge protokolliert, sollte man diese natürlich nur so wenig wie möglich stören. Doch hin und wieder bekommen wir nicht alles mit und müssen kurz nachfragen, was da gerade passiert ist. Manchmal wollen wir auch kurz den Friedhof oder Eure Handkarten sehen. Je nachdem, ob und wie sehr wir den Spielfluss stören, bekommt Ihr – solltet Ihr mal in einem Feature Match sitzen – aber ein klein wenig Extra-Zeit, die dies wieder ausgleicht. Ihr werdet also nicht ins sogenannte Time-Out kommen, nur weil die Coverage gerade etwas langsamer ist.

So arbeitet man dann Runde für Runde den vorher ausgearbeiteten Plan ab. Tatsächlich ist es oft so, dass man als Schreiber auf einem Event „einfach nur funktioniert“. Unter Umständen muss man zwar 1-2 Sachen aus dem Zeitplan streichen, aber im Großen und Ganzen wird dieser „abgearbeitet“. Erste Runde? Feature Match! Zweite Runde? Deck Feature! Dritte Runde? Kurzinterviews mit verschiedenen Spielern! So vermeiden wir gleich, dass wir Zeit dadurch verlieren, uns zu überlegen, was wir eigentlich schreiben wollen. Vor allem wenn man alleine auf einem Event schreibt, ist jede Sekunde kostbar. Hin und wieder sind für uns aber auch 5 Minuten Pause drin. Aber man arbeitet größtenteils durch, bis dann irgendwann auch das Finale vorbei und ein Sieger gefunden ist.

Nach dem Event

Wer denkt, jetzt wäre Feierabend, der täuscht sich. Zum Abschluss gilt es, Inhalte, die man erstellt, aber noch nicht veröffentlicht hat, auszusortieren und dann noch bereitzustellen. Oft betrifft dies Interviews mit den Siegern und Finalisten oder zusätzliche Fotos und Videos. Ein bedeutender Punkt sind auch die sehr beliebten Decklisten der besten Spieler des Turniers: Da man diese nur in handschriftlicher Form vorliegen hat, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als sie abzutippen; dieser Vorgang kann zwar wie beschrieben durch gute Textverarbeitungsprogramme beschleunigt werden, dauert aber trotzdem sehr lange. Je nachdem, wie viel Zeit man am Abend des Turniers noch übrig hat, muss man diese Schritte eventuell auch auf den nächsten Tag verschieben.

Wofür man sich nach dem Turnier aber unbedingt noch Zeit nehmen sollte, ist eine ausführliche Nachbesprechung mit dem Turnierveranstalter bzw. den Coverage-Kollegen. Hier kann man noch mal auf die Coverage zurückblicken und seine eigene Leistung betrachten: Hat man die gesteckten Ziele erreicht? Wo und wie kann man sich verbessern? Was hat geklappt? Was hat nicht so gut geklappt? Diese Gespräche helfen, genau diese Fragen zu beantworten.
Wollt ihr auch mal in einer Coverage auftauchen? Auf den Deutschen und Österreichischen Meisterschaften zum Yu-Gi-Oh! TCG und zum Pokémon TCG wird es wieder Coverages geben. Wenn ihr z.B. ein kreatives Deck spielt, freuen wir uns, wenn ihr uns schon im Vorfeld eine Deckliste und einen kurzen Text mit Erläuterungen zum Deck zukommen lasst, einfach per Email an organizedplay@amigo-spiele.de mit Betreff“ Coverage Feature“.