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Der European Challenge Cup ist das vor allem in der Masters Division jährlich das größte Pokémon-Turnier in Europa. Da dort bekannte Spieler aus vielen verschiedenen Ländern antreten, wird es oft als Europameisterschaft gesehen, auch wenn es, was die Preise angeht, diesen Status nicht offiziell inne hat. Nachdem der amtierende Deutsche Meister Steven Mao auf dem ersten European Challenge Cup 2011 den Titel erlangen konnte, durften wir uns dieses Jahr gleich über zwei deutsche Spieler im Finale der Masters freuen. Nach einem spannenden Darkrai-Duell gegen David Hochmann trug Dennis Brocke schließlich den Sieg bei diesem prestigeträchtigen Event davon. Grund genug für uns, ihm ein paar Fragen zu stellen.

Hallo Dennis, stelle dich bitte einmal kurz vor.

Joa, mein Name ist Dennis, ich komme aus Moers (neben Duisburg) und bin 22 Jahre alt. Neben dem Pokemon TCG spiele ich Badminton, bin da auch als Trainer unterwegs und fülle den Rest meines Lebens eigentlich nahezu vollständig mit Schule.

Wie lange spielst du bereits das Pokémon-Sammelkartenspiel?

Mein erstes Turnier war der Arena Cup in Dortmund 2010. Seitdem bin ich auch mal mehr mal weniger aktiv überall dabei.

Wo kann man dich auf Turnieren häufig antreffen?

Düsseldorf, Krefeld, Dortmund, alles in der Region halt. Mangels günstigem Ticket verschlingt die Angelegenheit halt ungemein viel Spritkosten, weswegen ich selten weiter weg spiele.

Was waren deine größten Erfolge im Pokémon-Sammelkartenspiel, bevor du den European Challenge Cup gewonnen hast?

Nunja, Erfolge sind recht subjektiv zu bewerten. Für mich sind meine Erfolge Platz 2 und 3 bei Arena Cups, diverse Top Cuts bei Cities und Regios, gewonnene BRs, Top 32 DM 2012, etc. Nichts großes, aber das reicht mir.

Welche Art von Decks bevorzugst du?

Ich mag schnelle Decks, die den Gegner sofort unter Druck setzen. Meine besten Turniere habe ich so also zum Beispiel mit Jumpluff, Sablelock, Garados, Stage one Rush und Darkrai Varianten gespielt.

Wie hast du dich auf den European Challenge Cup vorbereitet?

Da ich dank Schule wenig Zeit hatte, habe ich nicht so intensiv getestet. Hammertime lag mir sehr gut, da ich seit dem Erscheinen von Dark Explorers quasi nichts anderes als Darkrai spiele. Deswegen habe ich mit meiner Freundin hier und da ein paar Spiele getestet und dann halt das Deck gespielt, was mir am besten lag und womit ich die meiste Erfahrung hatte.

Warum hast du dich für Darkrai-EX als Deck entschieden?

Darkrai Varianten sind meiner Meinung nach die bei weitem konstantesten Decks im Format. Man hat so viele Vorteile, die andere Decks nicht haben: Sableye, freien Rückzug, Bankschaden, Dark Patch… Darkrai ist unglaublich flexibel. Und dank der Hammer konnte ich prinzipiell gegen jedes Deck gewinnen, es gab kein unmachbares Matchup. Es war somit einfach die beste Deckwahl.

Was findest du an deiner Variante besonders erwähnenswert?

An meiner Variante gibt es eigentlich nichts, was wirklich besonders ist. Das Deck war pur auf Konstanz ausgerichtet, was sich in jeder Hinsicht auch rentiert hat.

Wie fandest du die Atmosphäre auf dem European Challenge Cup?

Die Atmosphäre war großartig. Nicht nur die Spieler an sich, auch die Dinge, die so nebenbei passieren. Kinder, die Displays aufmachen und die Karten über den Boden verteilen, überall Leute mit Pokémon-Kleidung, konzentrierte Spieler, überall Sammler, die Karten in anderer Sprache suchen und Leute, die an einem vorbei laufen und sich übers Metagame aufregen. Das ist wunderbar.

Was waren deine schwierigsten und interessantesten Spiele auf dem diesjährigen European Challenge Cup?

Die Top Cut Spiele waren alle sehr interessant. Während man in den Vorrunden manche Gegner einfach überrennen konnte, waren die Spiele in den Tops alle wirklich knapp und entschieden sich erst in den letzten Zügen. Aber das wohl interessanteste Spiel war mein Top 4 Spiel gegen den Franzosen Thomas Vernier mit seinem Rayquaza-Deck. Es gab mehrere Situationen, in denen ich das Spiel eigentlich schon fast aufgegeben hatte und aus denen ich mich dann doch noch herausspielen konnte. Das Spiel schien mehrmals bereits in die eine oder andere Richtung entschieden zu sein, als es sich dann doch noch gewendet hat. Gleichzeitig hatten wir eine riesige Menge Spaß und haben trotz dieses ernsten Spiels noch Witze gemacht und viel gelacht. Das war einfach großartig. Genau so sollte es sein.

Wie hast du dich nach deinem Sieg gefühlt und wie haben deine Freunde darauf reagiert?

Nach dem Sieg hab ich das erst einmal gar nicht so recht realisiert. Ich habe damit vorher niemals gerechnet, deswegen war es sehr überraschend. Erst am nächsten Tag kam der Gedanke „Ey, ich hab den ECC gewonnen“, was schon echt ein cooles Gefühl war.
Meine Freundin hat sich riesig für mich gefreut, wahrscheinlich sogar noch mehr als ich selbst. Sie war von Anfang bis Ende die ganze Zeit bei mir, hat mich unterstützt und war von mir überzeugt, wofür ich ihr auch sehr gern danken möchte.
Von meinen Freunden kamen natürlich Glückwünsche ohne Ende und der eine oder andere liebevolle Spruch, der mich als „Nerd“ betitelte (grinst).

Wie schätzt du das Metagame auf der anstehenden Deutschen Meisterschaft ein?

Darkrai wird auch auf der DM noch sehr stark vertreten sein, auch wenn Plasma Decks eine sehr starke Konkurrenz bilden. Da ich aber, wie vor dem ECC auch, bisher einfach null Zeit zum Testen hatte, kann ich überhaupt noch nichts über die Stärken der jeweiligen Decks sagen, weshalb ich mich mit einer genaueren Einschätzung lieber zurückhalte.

Welchen Ratschlag würdest neuen Spielern beim Pokémon Sammelkartenspiel geben?

Habt einfach Spaß. Wirklich, das ist einfach das wichtigste. Viele Leute nehmen dieses Spiel viel zu ernst und rechnen nach einem Turnier nur ihren Gewinn oder Verlust aus, anstatt einfach das Wochenende mit den vielen Leuten und ihrem Hobby zu genießen.
Habt einfach Spaß bei der Sache, genießt das Spiel in all seinen Facetten. Sammeln, Deckbau, Spielen, Testen, Leute treffen und eben diese Momente, wo man nach einem langen, spannenden Spiel dann doch die Oberhand hat und gewinnt – oder auch nicht. Egal. Hauptsache, man hatte Spaß dabei.

Vielen Dank für das Interview!