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Wie kaum ein anderes Spiel lebt das Pokémon-Sammelkartenspiel von seiner Community. Die Schiedsrichter auf offiziellen Turnieren haben meist selbst lange Zeit gespielt und kennen ihre Stammspieler sehr genau. Sie arbeiten eng mit AMIGO und den Hobbyläden zusammen, um gut organisierte Turniere anzubieten.
Besonders erfolgreich funktioniert dies schon seit vielen Jahren in Nordrhein-Westfalen und der näheren Umgebung. Doch wie kommt es zu dem großen Turnierangebot und den hohen Spielerzahlen?

Wie alles begann

Das deutsche Pokémon-Sammelkartenspiel existiert zwar schon seit 1999, aber in den ersten Jahren gab es keine offiziellen Turniere (mit Ausnahme einzelner Qualifikationsturniere für z.B. den Super Trainer Showdown in New Jersey). Als 2003 The Pokémon Company international (TPCi) das Spiel von Wizards of the Coast übernahm, begann auch erst die jetzt bekannte Struktur des offiziellen Pokémon Organized Play (POP). Dies wusste auch Marcos, der spätere Gründer der POP-Rhein-Ruhr-Community, zu nutzen. Zusammen mit den damaligen Spielern festigte er das Turnierangebot im Dortmunder Auenland. Als nächste große Location in Nordrhein-Westfalen fing dann auch der Düsseldorfer Mage Store an, Turniere zu veranstalten.

Durch besondere internationale Turniere wie die drei Westfalen-Challenges konnte die Community wieder wachsen und gedeihen, bis dann Ende 2009 das Projekt POP-Rhein-Ruhr ins Leben gerufen wurde. Dabei ging es darum, die Turniere der heute acht verschiedenen Veranstalter in der Region besser zu koordinieren, was die Termine und die Schiedsrichter angeht. Außerdem sollte eine eigene Webseite den Spielern eine einfache Voranmeldung und Zugriff auf die Ergebnisse und Fotos aller Events ermöglichen. Diese Idee war tatsächlich ein voller Erfolg, und auch die damals eher neuen Turnierlocations Koblenz und Bonn erfreuten sich schnell hoher Beliebtheit.

Verantwortliche und Helfer

Ein Programm wie POP-Rhein-Ruhr funktioniert natürlich nur, wenn auch viele mithelfen. Während Gründer Marcos Marin-Galiano die allgemeine Koordination übernimmt und Webmaster Ingo Siegling die Turniere und Ergebnisse online einträgt, sind es die vielen Läden und Judges, welche das Turnierangebot erst ermöglichen.

In den zahlreichen Läden finden sowohl eine regelmäßige Pokémon-Liga als auch Turniere statt, die meistens so gelegt werden können, dass sie sich nicht mit anderen in der Region überschneiden. Damit wird den Spielern ermöglicht, bei allen Premier Events auf mehreren Turnieren in der Nähe teilzunehmen. Bevor eine Turnierserie beginnt, werden für jedes Event in internen Besprechungen mehrere Judges (Schiedsrichter) eingeteilt. Dazu kommen noch Ersatzleute, so dass alle Turniere gut betreut sind. Das ist auch nötig, denn die Spielerzahlen der Premier Events in Nordrhein-Westfalen gehören europaweit zu den höchsten. Nicht selten sind schon Teilnehmer aus entfernten Städten wie Berlin oder sogar aus dem Ausland angereist, um etwa an den Regional Championships in Düsseldorf teilzunehmen.

Damit sämtliche Regelfragen und Probleme auch professionell und konsistent gelöst werden, tauschen sich die Judges der Region ständig über aktuelle Themen aus. Gelegentlich finden sogar spezielle Seminare statt, in denen erfahrene Judges wie Marcos den anderen nicht nur die wichtigsten Grundlagen, sondern auch fortgeschrittene Aspekte beibringen.

Über ein Dutzend aktive Schiedsrichter arbeiten derzeit auf Turnieren in Nordrhein-Westfalen mit. Dies erfordert einiges an Wissen und kann durchaus auch mal anstrengend sein. Die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung eines Turniers mitzuwirken und das Spiel auch einmal aus einer anderen Perpektive kennenzulernen, ist jedoch für viele eine Motivation, sich dieser Aufgabe, die durchaus auch genauso viel Freude bereiten kann wie das Spielen selbst, zu widmen.

Organisation von Turnieren

Wer sich schon immer gefragt hat, was alles getan werden muss, damit die Spieler ein spannendes und reibungsloses Turnier erleben können, der kann nun einen kleinen Einblick erhalten. Zunächst einmal verschickt AMIGO die Einladungen an verschiedene Veranstalter in Deutschland und Österreich und legt dabei auch den gesamten Zeitraum, in dem alle Events der jeweiligen Serie stattfinden sollen, fest. Die Veranstalter im POP-Rhein-Ruhr-Raum geben nun ihre Wunsch-Termine an Marcos weiter, der dann versucht, die Termine so zu legen, dass sie sich nicht gegenseitig überschneiden. Dann können die Judges in einer internen Diskussion besprechen, an welchen Orten sie gerne mitarbeiten möchten. Viele sind dabei vor allem regelmäßig dort aktiv, wo sie ohnehin schon von AMIGO aus als Mentor mitwirken.

Sobald die Organisation geklärt ist, kann es mit der Bewerbung losgehen. Neben der offiziellen Terminliste bei AMIGO und der schon erwähnten POP-Rhein-Ruhr-Webseite werden Turniere auch auf Plattformen wie Facebook und in verschiedenen Fan-Communitys angekündigt. Die Spieler können dann damit beginnen, sich voranzumelden, um einen Platz sicher zu haben. Die Anmeldungen zum jeweiligen Turnier werden entweder vom Laden oder von dessen Mentor gesammelt.

Irgendwann ist es dann soweit und das Turnier beginnt – nun wird es ernst für das Organisationsteam. Mehrere Judges sind meist frühzeitig vor Ort, um Anmeldungen entgegen zu nehmen und Decklisten zu überprüfen. Die Spieler werden dann im Computer eingetragen, und wenn alles reibungslos verläuft, kann das Turnier pünktlich beginnen. Leider kommt es jedoch aufgrund von fehlerhaften Decklisten oder technischen Problemen gelegentlich zu kleinen Verzögerungen. Auf einer Teilnehmerliste kann jeder Mitspieler sicherstellen, dass er auch wirklich eingetragen wurde, bevor dann die Paarungen für die erste Runde ausgehängt werden. Während alle versuchen, ihre jeweiligen Gegner zu schlagen, gehen die Judges durch den Raum und beobachten die laufenden Spiele, um sofort einzuschreiten, wenn irgendwo etwas nicht stimmt oder es beispielsweise vergessen wurde, die Preise zu legen. Auch wenn Spieler Fragen zu den Regeln haben oder ihnen selbst auffällt, dass während ihres Spiels etwas schief gelaufen ist, müssen die Schiedsrichter sofort zur Stelle sein.

Während sich am Ende der Vorrunden die Besten zu den Finalrunden im KO-System einfinden, werden an die anderen noch ein paar Preise verteilt. Nun wird es für das Team etwas entspannter, da nur noch wenige Spieler übrig sind, die es zu betreuen gilt. Meistens sind genügend Judges da, dass diese sich direkt mit an den Tisch setzen und die Matches mit voller Aufmerksamkeit verfolgen können – denn schließlich geht es nun darum, den Turniersieger zu ermitteln. Sobald dieser feststeht, erhalten die Top-Spieler ihre Preise und werden auf Fotos für die Webseite verewigt.

Doch mit dem Ende des Turniers ist die Arbeit noch längst nicht vorbei. Der Laden und der Head Judge müssen sich um zahlreiche „Reports“ kümmern. Am wichtigsten ist es, das Turnier schnell auf der offiziellen Pokémon-Seite einzutragen, denn nur dadurch erhalten die Spieler unter anderem ihre begehrten Championship Points. Die Bilder und Ergebnisse werden außerdem an Webmaster Ingo geschickt, damit sie auf der Webseite veröffentlicht werden können. Schließlich sollte der Head Judge noch diverse vergebene Verwarnungen und andere Strafen an die TPCi weiterleiten, und es kommt nicht selten vor, dass auch AMIGO noch ein paar Informationen, etwa die Namen der Sieger, erwartet.

Schlusswort

Nun habt ihr am Beispiel von POP-Rhein-Ruhr einen Eindruck erhalten, was alles hinter den Turnieren einer funktionierenden Community steckt. Lest dazu auch das Interview mit Marcos Marin-Galiano. Wer nun Interesse bekommen hat, selbst in seiner Region mitzuwirken, fühlt sich durch dieses Beispiel hoffentlich ermutigt!

Auch als Printversion:
Organized Player Magazin 06