Zum Auftakt der Berichterstattung zur Deutschen Yu-Gi-Oh! TCG Meisterschaft 2011 hat unsere Redakteurin Martina Eckloff ein Interview mit dem Head Judge Daniel Müller geführt, der am Wochenende das Main Event leiten wird.

1) Wie bist du zum Sammelkartenspiel Yu-Gi-Oh! gekommen?
Ich war damals großer Fan der ersten Yu-Gi-Oh! Zeichentrickserie. Dann haben 2 Freunde von mir mit dem Kartenspiel angefangen und ich überredete meinen besten Kumpel, dass wir uns dieses Spiel auch zulegen sollten. Unser erstes Spiel dauerte fast eine Stunde, da wir keine Ahnung hatten, wie das Spiel funktionierte und somit neben dem Spielen die Anleitung unserer Starterdecks lesen mussten.
2) Wann war dein erster Einsatz bei einem Premier-Event, und welche Position hattest du damals?
Mein erster Premier Einsatz war das Summer Cup Finale 2008. Ich war damals bei den Side Events eingeteilt und lernte viele Leute kennen, die ich auch heute noch sehr gerne auf den Events wiedersehe.
3) Bei welchen Events hast du seither im Yu-Gi-Oh!-Helferteam teilgenommen?
Direkt nach dem Summer Cup Finale folgten 2 Einsätze auf der großen Herbsttour, sowie mehrere Einsätze als (Head) Judge auf Regionalen Meisterschaften bis hin zum Posten des Team Leader Floor auf der DM 2009. Dann folgte ein Jahr mit mehreren mittelgroßen Einsätzen verstreut in Deutschland, durch dessen gesammelte Erfahrung ich für den Head Judge Posten der Deutschen Meisterschaft 2010 gewappnet war. Gefolgt von 3 Einsätzen auf der Yu-Gi-Oh! Championhip Series (kurz: YCS) und mehreren kleineren Events stehe ich dieses Jahr wieder vor dieser großen Aufgabe des Head Judges.
4) Bist du auch international als Schiedsrichter unterwegs?
Ja, und das waren sehr große Erfahrungen für mich. Die YCS startete im September 2010 in Bochum und war mit über 1300 Duellanten mein bisher größtes Event. Ich war dort der Team Leader Deck Check. Auch auf der YCS Mailand im letzten November übte ich diese Funktion aus. Diesen April war ich auch bei der YCS in Paris als Team Leader der Logistik dabei.
5) Hattest du früher ein Vorbild?
Wie viele meiner Judge-Generation hatte ich den Oliver Gehrmann als Vorbild. Er kannte das Regelwerk wie kein Zweiter, war überall bekannt und hat vielen, wie auch mir, den Einstieg in die Welt der Yu-Gi-Oh! Regeln erleichtert. Zum Höhepunkt seiner Judge Laufbahn war er der Head Judge der Weltmeisterschaften 2008 in Berlin. Höher gehts dann ja nun wirklich nicht mehr. Mittlerweile habe ich für die jungen Judges selber eine Art “Vorbild” eingenommen, was mich sehr stolz macht.
6) Spielst du andere Sammelkartenspiele außer Yu-Gi-Oh!? Falls ja, bist du dort ebenfalls als Schiedsrichter oder Helfer aktiv?
Ich bin dieses Jahr als Helfer bei der Deutschen Pokemon Meisterschaft dabei und bin somit noch dabei, mir das Spiel anzueignen.
7) Spielst du das Yu-Gi-Oh!-Sammelkartenspiel aktiv auf Turnieren?
Bei über 95% der Turniere bin ich als Judge vor Ort. Da bleiben also nicht mehr so viele Prozente fürs Spielen übrig.
8 ) Was hälst du von dem Spruch „Schiedsrichter sind schlechte Spieler“?
Ich sage es mal so: “Wir schiedsrichtern besser als wir spielen”. Ich bin jetzt kein schlechter Spieler, aber wirklich gut bin ich auch nicht. Ich lande meistens so im oberen Mittelfeld, mal besser und mal schlechter. Ich kenne aber auch ein paar Schiedsrichter, die beides gut können.
9) Was war bisher die schwierigste Entscheidung, die du als Schiedsrichter treffen musstest?
Es gab schon den einen oder anderen schwierigen Moment, da es, gerade auf großen Turnieren, sehr schnell zu unerwarteten Situationen kommen kann. Da ist es dann eben sehr gut, wenn man das Spiel und dessen Mechaniken versteht, Ruhe bewahrt und lieber nochmal überdenkt, um am Ende die richtige Entscheidung zu treffen.
Aber auch die zwischenmenschliche Seite darf man nie unterschätzen.
10) Was macht dir am Schiedsrichter sein besonders Spaß?
Neben dem schönen Gefühl, dass man dabei geholfen hat, vielen Spielern ein schönes Event zu bereiten, lernt man viele neue Leuten kennen oder trifft diese wieder.
Aber es ist nicht nur das Turnier an sich, was mir soviel Freude bereitet, es ist auch alles drum herum: Das gesamte Wochenende ist einfach ein Erlebnis, von dem ich noch viele haben möchte.
11) Gibt es andere Positionen im Helferteam, die du gerne ausführst?
Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich fast jede Position schon einmal ausgeführt habe. Ich besetze gerne Positionen, bei denen ich anderen Schiedsrichtern noch etwas mit auf den Weg geben darf.
12) Wie bereitest du dich als Headjudge auf die Deutsche Meisterschaft vor?
Alleine mit dem Auffrischen des Regelwissens ist es nicht getan. Es gilt Fragen der Schiedsrichter vorab zu klären, Sachen der Organisation zu besprechen… Eben einfach alles, was dazu führt, dass das Event reibungslos funktionieren wird.
13) Worauf legst du auf dem Event selber besonderes Augenmerk?
Neben dem professionellen Auftreten der Schiedsrichter ist mir vor allem auch wichtig, dass diese ein positives Erlebnis haben. Und natürlich ist es wichtig, dass Teilnehmern geholfen wird, wenn diese etwas auf dem Herzen haben.
14) Was empfiehlst du denjenigen, die auch Judge auf einem großen Event werden möchten?
Durch das AMIGO Helferprogramm hat man die Möglichkeit, sich als Helfer eines Turniers zu bewerben. Man kann sich auch erstmal als “Helfer” bewerben und dann zeigen, was alles in einem steckt. Ich kann jedem nur raten, es einfach zu versuchen. Man lernt eine neue Seite des Hobbies kennen, die man nie wieder missen möchte.